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Liebesgrüße aus Moskau

From Russia with Love. GB 1963. R: Terence Young. B: Richard Maibaum. K: Ted Moore. S: Peter Hunt. M: John Barry. P: Albert R. Broccoli, Harry Saltzman. D: Sean Connery, Daniela Bianchi, Robert Shaw, Bernard Lee, Lotte Lenya u.a.
118 Min. United Artists ab 14.2.64

Spione aus der Kälte

Von Mark Stöhr Damals, als die Welt noch in Ordnung war: Männer und Frauen waren Männer und Frauen, und der Osten war im Osten. Klare Verhältnisse herrschten da, und außerdem war Sean Connery Bond und nicht Roger Moore oder die ganzen Weicheier, die danach kamen. Kein »Bond«, weder der eine davor noch die, die folgten, war wohl mehr Ausdruck des politischen und sozialen Klimas seiner Zeit als Liebesgrüße aus Moskau. Natürlich wird auch hier schon kräftig in der Effektekiste gewühlt – er ist der erste Film der Serie, in dem OO7 mit seinen legendären Wunderwaffen ausgerüstet wird – aber im Vergleich mit seinen Nachfolgern und ihren monströsen Science-Fiction-Laboratorien ist das Setting von Liebesgrüße aus Moskau absolut realistisch: der Bosporus Anfang der 60er Jahre als Schauplatz perfider Geheimdienstaktivitäten in der Hochzeit des Kalten Krieges.

James Bond reist im Auftrag des Secret Service nach Istanbul, um von der sowjetrussischen Überläuferin Tatjana Romanova eine Dechiffriermaschine für KGB-Geheimcodes entgegenzunehmen. Die ganze Aktion wurde jedoch vom Verbrechersyndicat »Spectre« eingefädelt, das die Romanova als Lockvogel benutzt, um den britischen und sowjetischen Geheimdienst gegeneinander auszuspielen und selbst in den Besitz des begehrten Dechiffriergerätes zu kommen. Bond ahnt das zwar, kann den Reizen der zugegebenermaßen überaus hübschen Russin aber nicht widerstehen und verhilft ihr zur Flucht, was ihm einen ganzen Rattenschwanz von Killern auf die Fersen treibt.

Liebesgrüße aus Moskau ist über seine Trashrhetorik aus dem Poplexikon der 60er Jahre, die ja einen nicht unwesentlichen Teil zum Kultstatus der »Bond«-Serie beiträgt, hinaus ein exzellent gemachter Spionagethriller, der zu seiner Zeit wenig Ebenbürtiges findet. Er schafft es, das komplexe Netz sich belauernder und bekriegender Geheimdienste in Istanbul in eine vibrierende, spannungsgeladene Atmosphäre zu übersetzen, die ein überaus dichtes und ausdifferenziertes Ambiente für die sich für damalige Verhältnisse auf sehr hohem Niveau bewegende Action schaffen. Am Ende, soviel sei verraten, kommt das Empire noch einmal mit einem blauen Auge davon – Gott sei Dank. 1970-01-01 01:00
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