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Liebe, Brot und Eifersucht

Pane, amore e gelosia. I 1954. R,B: Luigi Comencini. B: Ettore Maria Margadonna, Eduardo de Filippo, Vincenzo Talarico. K: Carlo Montuori. S: Mario Serandrei. M: Alessandro Cicognini. P: Titanus. D: Gina Lollobrigida, Vittorio de Sica, Roberto Russo, Marisa Merlini u.a.
90 Min. ab 19.8.55

Enzyklopädie italienischer Körpersprache

Von Thomas Warnecke Brot und Tulpen hieß ein italienischer Erfolgsfilm vor einem Jahr, und schon in den 50ern schien das Brot im Titel so etwas wie das Salz in der Suppe zu sein. Brot, Liebe und Fantasie hieß 1953 ein Kassenschlager, und mit Liebe, Brot und Eifersucht folgte ein Jahr später die nicht minder erfolgreiche Fortsetzung. Mit diesen beiden Filmen wurde Gina Lollobrigida an der Seite Vittorio de Sicas zum Weltstar, und auch sonst bieten diese beiden Komödien weitaus mehr Pfeffer als das seichte Filmchen von 2000. Alle drei Filme haben allerdings gemeinsam, daß Brot eigentlich überhaupt keine Rolle spielt, dafür muß Vittorio de Sica hier gleich auf zwei aufeinanderfolgenden Taufen mächtig Spaghetti spachteln, um die Gastgeberinnen nicht zu beleidigen.

De Sica spielt den leicht ergrauten Frauenhelden und Maresciallo Antonio Carotenuto, der sich im ersten Teil nicht zwischen der temperamentvollen Bersagliera (Lollobrigida) und der Hebamme Annarella entscheiden kann. Im zweiten Teil hat er sich entschieden – für die Hebamme, die allerdings ein uneheliches Kind hat, weshalb er – 50er Jahre – seinen Dienst bei den Carabinieri quittieren muß. Doch schon beim Diktat des Entlassungsgesuchs deuten sich die komödiantischen Verwirrungen an, die bis zum versöhnlichen Schluß nicht mehr abreißen werden. Sein Techtelmechtel mit der Bersagliera aus dem ersten Teil läßt beide im zweiten nicht los; auf dem Dorf ist das Gerede die stärkste Macht.

Regisseur Luigi Comencini, vom Dokumentarfilm kommend und noch stark unter dem Einfluß des Neorealismus stehend – sein Kameramann Carlo Montuori hat de Sicas Ladri di biciclette fotographiert, und überhaupt sind die großen Kameramänner jener Jahre in Italien oft die heimlichen Chefs am Set – gelingt eine handwerklich mehr als überzeugende Leistung bei der Fortsetzung seines ersten Kinoerfolges. Für jede Einstellung fallen ihm und seinen Autoren Gags und Pointen ein.

Neben Eduardo de Filippo, dem wohl einflußreichsten (Theater-) Komödienautor jener Jahre, ist es vor allem Ettore Margadonna, dessen Erinnerungen an seine Jugend auf dem Land sich der Figurenreichtum und die detailgenaue, äußerst witzige Zeichnung des Dorflebens verdanken. Sein Drehbuchstil, lebensechte Charaktere durch eine rasant sich wendende Handlung zu treiben, wird für die italienischen Erfolgskomödien der folgenden Jahre prägend sein. Diese Vorlagen können die Schauspieler glänzend verwerten: Vittorio de Sica bietet im komödiantischen Überschwang eine hinreißende Enzyklopädie italienischer Körpersprache. Und daß Gina Nazionale ihm darin in nichts nachsteht, versteht sich von selbst. 1970-01-01 01:00
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