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Leinen los, wir saufen ab!

Mi faccio la barca. I 1980. R: Sergio Corbucci. B: Mario Amendola, Bruno Corbucci, Ernesto Gastaldi. K: Luigi Kuveiller. S: Amedeo Salfa. M: Gianni Ferrio. P: Capital. D: Johnny Dorelli, Laura Antonelli, Christian De Sica, Cariddi Nardulli, Itaco Nardulli, Daniela Poggi, West Buchanan. u.a.
80 Min. Residenz 17.7.81

Dentisten-Schelte

Von Carsten Tritt Sergio Corbucci gehört zu jenen Regisseuren, die nicht gerade für Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht im Umgang mit dem Medium Film bekannt waren. So hat er es stets als komödiantisches Element empfunden, wenn in seinem legendären Django der Titelheld sein Maschinengewehr aus dem Sarg holte und damit ein paar Dutzend Bösewichter ins Jenseits schickte. In einem seiner späteren Filme, ich glaube es war Il Mercenario oder ¡Vamos a matar, companeros!, reihte Corbucci etliche Showdowns hintereinander und amüsierte sich heimlich über die Zuschauer, die im Glauben, der Film sei nun zu Ende, bereits mehrmals zu ihren Mänteln gegriffen hatten, um dann festzustellen, das doch noch was kommt. Er war eben ein Mensch mit einem etwas seltsamen Humor, der nicht nur gerne mit, sondern auch oft über das Publikum lachen konnte.

Insofern bedeutete es für ihn ein Problem, als er ab Mitte der 70er nun »richtige« Komödien drehen sollte, als nun also die Zuschauer mitlachen sollten. Damit konnte Corbucci dann nicht so gut umgehen, und folglich war der größte Teil seines Spätwerkes auch ganz einfach großer Müll. Zwei Filme, die vielleicht trotzdem sehenswert sind, möchte ich hier erwähnen: Erstens Ecco noi per esempio (Der Supertyp, 1977), eine an sich mäßige Adriano Celentano-Komödie, die aber mit einer sehr interessanten Nacktszene von Barbara Bach (full frontal nudity!) aufwarten kann. Dummerweise wird eben diese Szene bei der Fernsehausstrahlung von SuperRTL regelmäßig herausgeschnitten, so daß wir diesen Film dann eigentlich doch wieder vergessen können.

Das zweite interessante Werk ist aber nun Leinen los, wir saufen ab! – übrigens eine Meisterleistung des deutschen Verleihs, wie er die gesamte Handlung des Films im Titel zusammengefaßt hat. In Leinen los, wir saufen ab! darf Corbucci wieder derjenige Anarchist sein, als den wir ihn lieben gelernt haben. Auf ein richtiges Drehbuch wird gleich verzichtet, statt dessen erlebt die Hauptfigur Dr. Piero Savelli alle Qualen maritimer und familiärer Art, die man in 80 Minuten zusammenfassen kann (hier noch mal ein Dank an den deutschen Verleih, der den Film um rund 20 Minuten unnützer Handlung gekürzt hat). Warum das so schön ist? Weil Dottore Savelli Zahnarzt ist. Leinen los, wir saufen ab! ist die gerechte Rache für alles Ungemach, alle Qualen, die die Dentalmedizin der Menschheit auferlegt hat. Und somit konnte Corbucci auch endlich wieder über sein Publikum lachen, wenn auch nur über den kleinen, aber gemeinen Teil der Zuschauer mit den Bohrern. Der große Rest der Zuschauer wird ihm jedenfalls für seine Tat dankbar sein. 1970-01-01 01:00
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