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Leben und sterben lassen

Live and Let Die. GB 1973. R: Guy Hamilton. B: Tom Mankiewicz. K: Ted Moore. S: Bert Bates, Raymond Poulton, John Shirley. M: George Martin. P: Eon. D: Roger Moore, Jane Seymour, Yaphet Kotto, Geoffrey Holder, Clifton James, Bernard Lee u.a.
121 Min. United Artists ab 14.9.73

Blaxploitation-Bond

Von Oliver Baumgarten Die 70er-Blaxploitation-Welle hatte kaum ihren Höhepunkt erreicht, da hängte sich auch James Bond dran. Ändern wollte man ohnehin einiges, immerhin mußte wieder einmal Sean Connery ersetzt werden, der – nach einem kurzen Zwischenspiel – nun endgültig keine Lust mehr hatte und dessen Einmalersatz George Lazenby fast überall durchgefallen war. Die Wahl fiel auf den adretten TV-Star Roger Moore, wie schon Lazenby eher der Typ Playboy. Ihm zur Seite stellte man mit Yaphet Kotto den Star aus »Across 110th Street«, dichtete Ian Fleming ein wenig Voodoozauber in seine Vorlage und fertig war der Shaft für Weiße, der Kämpfer für Empire und Zivilisation, der Blaxploitation-Bond der 70er.

Leben und sterben lassen bezieht seinen unleugbaren Charme in der Tat daraus, daß er die Atmosphäre von Lederjacken-Chic und funkiger Pseudo-Schwarzensubkultur mit den Bondstandards von gerührten Martinis und Miss-Moneypenny-Flirts zusammenbringt. Undenkbar eigentlich, zumal inszeniert von einem britischen Action-Handwerker, der Battle of Britain oder Funeral in Berlin verantwortet hatte, zwei kühl gestaltete Kriegs- und Agententhriller in urbritischer Tradition. Daß auch die eindringliche Musik – von Paul McCartneys effektvollem »Live and Let Die«-Song mal ganz abgesehen – mit George Martin von einem Engländer stammt, bewies in seiner Gesamtheit schon damals, daß die englische Filmproduktion seit jeher von allen Europäern am ehesten dazu in der Lage war, sich den Hollywood-Look zueigen zu machen, was noch heute Filmen wie etwa Bridget Jones's Diary anzusehen ist. Somit ist also, wie fast jeder Bond-Film, auch Leben und sterben lassen immer noch ein weiteres Sehen wert, und sei es, um den Shaft im Bond-Pelz zu suchen. 1970-01-01 01:00
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