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Jenseits der Stille

D 1996. R,B: Caroline Link. B: Beth Serlin. K: Gernot Roll. S: Patricia Rommel. M: Niki Reiser, Jochen Schmidt-Hambrock. P: Claussen & Wöbke. D: Sylvie Testud, Tatjana Trieb, Howie Seago, Emmanuelle Laborit, Sibylle Canonica u.a.
100 Min. Buena Vista ab 19.12.96

Winterfilmerin: Caroline Link

Von Manuela Brunner »Wenn Schnee liegt, ist alles viel leiser«; erklärt Lara ihrem gehörlosen Vater. Jenseits der Stille beginnt im Schnee, unter dem Eis, da, wo es ganz still ist, und wird in den 100 Minuten nie wirklich laut. Er läßt sich sogar ganz ohne Ton ansehen, denn er ist vollständig untertitelt, und so seltsam das klingen mag: gerecht untertitelt. Denn sowohl die gesprochenen Passagen als auch die in Zeichensprache werden auf diese Weise erläutert. Was sich sonst auf Texttafel 150 des Videotextes versteckt, hier gehört es selbstverständlich dazu, ein Zeichen, daß dieser Film nicht nur von gehörlosen Menschen erzählt, sondern auch für sie, in gleichem Maße wie für die Hörenden. Lara hat die Taubheit ihrer Eltern nicht geerbt, und durch ihre Tante entdeckt sie ihre Liebe zur Musik. Sie will Klarinettistin werden. Ihr Vater fühlt sich hilflos, als er mit ansehen muß, wie Lara zu ihrer Tante zieht, um sich auf die Aufnahmeprüfung am Konservatorium vorzubereiten.

Jenseits der Stille erzählt von einer Familie, doch kein bleischweres Familiendrama. Er erzählt von Musik, doch nicht in Form eines auf Hochglanz polierten Musikfilms. Caroline Link gelingt es, elegant und leichtfüßig über alle melodramatischen Fußangeln hinwegzuschweben und dem Film zugleich eine besondere Bodenständigkeit zu schenken. Gernot Rolls Bilder scheinen aus der Wirklichkeit zu wachsen, unaufdringlich, ohne mit ausgestrecktem Zeigefinger auf ihre Authentizität hinzuweisen. Besonders stark werden sie, wenn sie alleine stehen, ohne Dialog, nur von Patricia Rommels einfühlsamem Schnitt und Niki Reisers Musik zusammengehalten, ein wunderschönes, filigranes Klang-Bild-Gewebe, das sich sanft entfaltet und fast unbemerkt die Welt verzaubert, wie die ersten Schneeflocken an einem kalten, dunklen Novemberabend. 1970-01-01 01:00

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