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Jabberwocky

GB 1977. R,B: Terry Gilliam. B: Charles Alverson. K: Terry Bedford. S: Michael Bradsell. M: De Wolfe. P: Sandy Lieberson. D: Michael Palin, Max Wall, Deborah Fallender, Annette Badland, Terry Jones u.a.
104 Min. Filmverlag der Autoren ab 15.12.77

Monty Python gegen Mittelaltermonster

Von Natalie Lettenewitsch Das schöne an den Filmen der Monty Pythons und mehr noch denen ihres solistischen Vordenkers Terry Gilliam ist, wie sie größten Kenntnisreichtum von mittelalterlicher Geschichte über Arthussage bis zur Bibel fast beiläufig in lapidarster Satire verpacken. Sie zeugen von Liebe und zugleich (im besten Sinne des Wortes) Respektlosigkeit ihren Sujets gegenüber, sie versorgen unaufdringlich mit abendländischer Bildung und erschlagen dabei zwischenzeitlich mit humoristischen 50-Tonnen-Gewichten. Auch dieser Ritter- und Drachenklamauk strotzt vor subtilem Hintersinn ebenso wie vor überdeutlichen Gegenwartsbezügen, und belehrt uns neben der Weisheit von den dümmsten Bauern und dicksten Kartoffeln unter anderem darüber, daß Kapitalismus keine neuzeitliche Erfindung ist.

Geschlossener in der Narration und von etwas weniger absurden Brüchen durchsetzt als der typische Python-Stil, schuf Gilliam ein kleines Antiheldenepos, das sich die Authentizitätswut von Historienfilmen wie auch Kamerakonventionen des Horrorfilms parodistisch einverleibt. Für eine seiner ersten Drehbuch- und Regiearbeiten ließ er sich von Lewis Carrols Gedicht »Jabberwocky« inspirieren, darin ein sehr böses und brutales Ungeheuer die Untertanen König Brunos des Fragwürdigen dezimiert.

Michael Palin zieht als trotteliger Handwerksgeselle in die panikerfüllte und von diversen Gurus und Geschäftemachern übervölkerte Stadt, um dort sein Glück zu suchen und sodann treu zu seiner übergewichtigen Verlobten Griselda Fischfinger zurückzukehren. Auf diesem Wege stolpert er jedoch in allerlei Unvorhergesehenes, verursacht Chaos durch seine Ideen bezüglich effizienterer Arbeitsmethoden und wird schließlich unabsichtlich zum Drachentöter. Von Jabberwocky abgefieselte Skelette und Ritterturniere sorgen mit schwappendem Blut und scheppernden Rüstungen einstweilen für Splatterflair. Entsprechend derber Humor, dennoch nicht ganz solch ein Schenkelklopfer wie das zu Tode gelachte Das Leben des Brian – ruhiger erzählt, gleichwohl ausgesprochen vergnüglich. 1970-01-01 01:00
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