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Indien

A 1993. R,B: Paul Harather. B: Josef Hader. K: Hans Selikovsky. S: Andreas Kopriva. M: Elrich Sinn. P: Milian Dor, Danny Krausz. D: Josef Hader, Alfred Dorfer, Maria Hofstätter u.a.
90 Min. Sputnik ab 26.1.95

Freundschaft auf niederösterreichisch

Von Natascha Kramer Der Titel des Films mag den Zuschauer zunächst in die Irre führen: »Indien« hört er, denkt an ein exotisches, bezauberndes Setting und möchte Voyeur sein in einer fremden Kultur. Aber Indien spielt nicht in Indien und hat auch ansonsten wenig mit dem begehrten Ziel eines wahren Rucksacktouristen gemeinsam. Indien spielt nämlich in Österreich. Wenn man es genau nimmt, ist dieser Film allerdings auch ein Roadmovie – nur eben durch Niederösterreich.

Der Kabarettist Josef Hader spielt einen Kontrolleur des Fremdenverkehrsvereins, der Beherbergungsbetriebe testet. Er wird von seinem Juniorpartner (Alfred Dorfer) auf dem Hoteltrip begleitet – und genervt. Denn der ist das genaue Gegenteil seiner selbst: agil, Vegetarier und sehr redselig. So zeigt der Film wunderschöne Szenen der Kommunikation zwischen einem, der an seiner Verstocktheit nahezu erstickt und jemandem, von dem man meinen könnte, er leide an Logorrhöe. Doch langsam kommen sich die beiden höchst unterschiedlichen und seltsamen Charaktere immer näher. Und ob sie wollen oder nicht, irgendwann können sie nicht mehr abstreiten, daß sie sich mögen.

Indien erzählt dem Zuschauer ein Märchen von Akzeptanz, Fürsorge und gemeinsamen Erlebnissen. Von Freundschaft eben. Und obwohl der Film in der eher tristen Kulisse Österreichs spielt, weckt er Sehnsucht – nach Geborgenheit und einem echten Freund. Gewarnt sei vor dem Dialekt der Darsteller: Anfangs wird der Zuschauer noch gezwungen, die Ohren zu spitzen, aber keine Angst: Spätestens am Ende des Films wird man sich von Freunden nur noch mit »Drei, zwoa, oans – Bussi« verabschieden. 1970-01-01 01:00
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