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Highway 61

CDN 1991. R,B: Bruce McDonald. B: Allan Magee, Don McKellar. K: Miroslaw Baszak. S: Michael Pacek. M: Toni Kenny, Nash the Slash. P: Shadow Stars. D: Valerie Buhagiar, Don McKellar, Earl Pastko u.a.
110 Min. Time ab 7.5.92

Sex, Drugs and Rock’n’Roll

Von Andrea Keil Bruce McDonalds Highway 61 ist ein Repräsentativum aus der Kategorie Möchtegern-Kultfilm, ein schrulliger Independent-Roadmovie, der uns durch die Mythologie des Rock’n’Roll transportiert. Der in diesem Film nicht wirklich existente narrative rote Faden wird bewußt (?) durch eine asphaltierte Orientierungslinie ersetzt: den Highway 61.

Entlang dieses Narrations-Substituts fahren die beiden Hauptdarsteller Pokey und Jackie mit einer eingesargten Leiche auf dem Autodach Richtung New Orleans, was auch nicht unbedingt durch besondere Originalität besticht, da das Motiv der Leiche auf dem Autodach durch Filme wie National Lampoon’s European Vacation oder Leningrad Cowboys Go America schon gewissermaßen zum Klischee schwarzer Komödiantik ausgestampft worden ist. Wahrscheinlich steckt dahinter ein ironischer Ansatz, denn an manchen Stellen kommentiert der Film seine Klischeehaftigkeit quasi selbstreflexiv. Als Beispiel dafür wäre anzuführen, wenn Pokey, nachdem das Duo schon den für einen Roadmovie typische Kriminalitätspegel erreicht hat, befürchtet, er werde wohl ab jetzt in Zeitlupe dem sicheren Tod entgegensteuern.

Was den Film trägt, sind die bizarren Einsprengsel am Wegrand, so z.B. die Jagd auf Hühner mit Handpistolen in der Villa eines Rockstars. Das sind die Momente, wenn sich der Plot aus der Stagnation herausmäandert. Von einem dieser Punkte bis zum nächsten stützt uns der zugegebenermaßen gut ausgewählte Soundtrack. Wer allerdings links und rechts des Highways auch noch auf Sinnsuche geht, tut dies vergebens: angefangene Handlungsstränge verlieren sich im Nirgendwo und bleiben als Nonsens-Relikte auf der Strecke. Zu bemerken bleibt jedoch, daß dieser Nonsens weder gewinnbringend noch faszinierend ist, er ist einfach nur präsent, sonst nichts.

Um eine einigermaßen aussagekräftige Inhaltsangabe des Films zu machen, bedarf es keiner zeilenfressenden Ausführungen: Friseur Pokey, der davon träumt, einmal ein großer Trompeter zu werden, findet eines morgens eine gefrorene Leiche in einer Badewanne in seinem Garten. Jackie gibt sich daraufhin als seine Schwester aus, die seinen Sarg nach New Orleans fahren will – in Wirklichkeit will sie darin nur Drogen schmuggeln. Auf dem Weg dorthin treffen sie und Pokey eine Menge obskurer Gestalten, die auch alle große Musiker werden wollen - es aber nicht sind. Und die einzigen, die damit richtig erfolgreich sind, werden vom Drehbuch zu dekandenten, innerlich toten Perverslingen degradiert. Was macht also Sinn im Leben? Ankommen oder nur die Suche nach Erfolg? Oder nur die Musik selbst? Man weiß es nicht, genausowenig wie der Film. Ein für sich alleinstehendes Fragezeichen könnte man allerdings wirkungsvoller in Szene setzen.

Eindrucksvoll hingegen ist der sogenannte Mr.Skin, ein merkwürdiger Bursche, der sich für Satan hält und den Menschen ihre Seelen abkauft. Witzig in diesem Zusammenhang, daß keiner ihm glauben will und für die banalsten Dinge wie eine Busfahrkarte oder eine Flasche Bier bereitwillig seine Seele hergibt. Ob der ambige Mr. Skin allerdings tatsächlich der Teufel ist oder doch nur durchgeknallt, wird nicht aufgelöst. Genauso wenig offeriert der Film einen Grund bzw. eine Motivation für das Horten der gekauften Seelen – doch das scheint wie gesagt auch nicht die Intention des Films zu sein, die vielmehr darin besteht, Akzente durch absurde Szenerien und Dialoge zu setzen. Was bleibt also zu sagen? Der Film hat ein paar nette Highlights und er zudem ein bißchen vom Wichtigsten: Sex (auf dem Friedhof), Drugs (im Sarg) und Rock’n’Roll (permanent). 1970-01-01 01:00
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