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Gimme Shelter

USA 1971. R,K: Albert Maysles, David Maysles, Charlotte Zwerin. K: Ron Dorfman, George Lucas. S: Joanne Burke, Ellen Giffard, Kent McKinney. P: Maysles. D: The Rolling Stones, Jefferson Airplane, The Grateful Dead u.a.
91 Min. ab 13.5.71

Wenn das Ding schmerzt

Von Sascha Seiler Es gibt da ein paar ziemlich gute Running-Gags in der Karriere der Rolling Stones. Zum Beispiel, daß Lead-Gitarrist Ron Wood vom Kollegen Keith »das menschliche Riff« Richards noch im Jahre 2003 als »der Neue« bezeichnet wird, obwohl Wood nun vor genau 30 Jahren zur Band stieß. Oder daß besagter Keith Richards ja eigentlich Keith Richard heißt, auf einer Pressekonferenz in den 70er Jahren aber ankündigte, jetzt ein »s« am Ende seines Nachnamens zu wünschen.

Am besten aber die ungefähr hundertmal erzählte Anekdote, daß er sich bei den Proben immer noch umdreht und bemerkt »Hey, wo ist denn der dürre Typ hin?«, womit er den auch schon seit über zehn Jahren ausgestiegenen Bassisten Bill Wyman meint.

Besagter Wyman wiederum behauptete jüngst, er habe sowohl das Riff zu »Jumpin' Jack Flash« geschrieben als auch mehr Frauen gehabt als Womanizer Jagger. Dieser konterte prompt: »Also: Als wir ›Jumpin' Jack Flash‹ geschrieben und aufgenommen haben, war Wyman gar nicht da, und zu den Frauen muß ich ja wohl nichts sagen.« Muß er wirklich nicht, denn sein Postbote ist schließlich überlastet mit den zahlreichen Vaterschaftsklagen, die täglich ins Haus flattern und an denen wohl meist auch was dran ist.

Übrigens gibt es jetzt auch eine Homepage, auf der Jaggers brasilianische Verflossene Luciana Gimenez Morád das gemeinsame Kind zur Schau stellt – erstens, damit Papa Mick ihn auch aufwachsen sieht, und zweitens, weil sie nichts besseres zu tun hat. Nicht wahr allerdings ist, daß es Keith Richards war, der auf die Frage eines Journalisten, »Sie haben jetzt 14 Platten gemacht und alle klingen gleich« geantwortet hat: »Nein, das sehen sie vollkommen falsch. Wir haben 15 Platten gemacht und alle klingen gleich.« Das war nämlich Angus Young von AC/DC. Stimmt auch gar nicht, denn Ende der 70er, lange Zeit nach dem Film Gimme Shelter, entschlossen sich die Stones, Disco zu machen. Legendäre Stelle aus dem Hit »Miss You«: Jagger läuft des Nachts durch den Park und bekommt Lust, denn »It's-a-aching my thing«.

Wer an solchen Geschichten seinen Spaß hat, wird von Gimme Shelter eher enttäuscht sein, denn man hat es hier mit einer sehr guten Dokumentation der größten Jahre der Stones zu tun, so zwischen »Let it Bleed« und »Exile on Main Street« und einer langen Dokumentation des Momentes, der, wie Zeitzeugen nicht müde zu bekunden werden, den Summer of Love beendete – den Mord an einem schwarzen Teenager durch die von den Stones als Security angeheuerten Hell's Angels. Und zwar nicht, wie seit Jahren kolportiert wird, während »Sympathy for the Devil«. Wäre wohl auch zu schön gewesen.

Dennoch: Ein letztes Mal Stones in ihrer wildesten, teuflischsten Phase, bevor Jaggers thing richtig wehzutun begann und Keith den verlorenen Bassisten suchte. 1970-01-01 01:00
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