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Geheimnisse des Herzens

Secretos del Corazón. E 1996. R,B: Montxo Armendáriz. K: Javier Aguirresarobe. S: Rosario Sáinz de Rozas. M: Bingen Mendizábal. P: Aiete Films S.A., Les Films Ariane. D: Adoni Erburu, Silvia Munt, Victoria Peña, Char López, Carmelo Gómez u.a.
105 Min.

Das Geheimnis eines Sommers

Von Holger Liepelt Wer erinnert sich nicht daran, wie er seine Unschuld verlor? Nicht körperlich, das ist ja nur die technische Durchführung einer im Kopf hunderte Male durchgespielten Situation, sondern der Moment, in dem einem aufgeht, daß zwischen Frauen und Männern mehr vorgehen kann als zusammen zu wohnen. Der kleine Javi wird ziemlich rüde in dieses Geheimnis eingeweiht, als beim Gassigehen mit der Familienhundedame ein Schäferhund zudringlich wird und dessen Herrchen – ein nur wenig älterer Junge mit dem weltmännischen Gestus des Wissens um körperliche Liebe in all ihren Spielarten – ihn aufklärt, die Hunde würden halt »vögeln«. Was beim »Vögeln« genau gemacht wird, erfährt Javi zwar erst mal nicht, aber dieses seltsame Verhalten zwischen den Geschlechtern beschäftigt ihn schon.

Einen Sommer lang begleitet der Film Javi, und dabei entfaltet sich ein Geflecht von Beziehungen der Menschen um ihn: da sind seine unverheirateten Tanten, bei denen er mit seinem älteren Bruder während der Schulzeit lebt, seine Mutter, sein junger Stiefvater und der Großvater, die er während der Ferien sieht, seine Schulkameraden und deren Eltern, der geheimnisvolle Fremde, der in das leere Haus zieht, in dem es spuken soll. Konsequent verbleibt der Erzählfluß bei Javi – keine Szene, die aus der Sicht einer anderen Figur geschildert wird. So erfährt man mal mehr, mal weniger über die anderen Leute, je nachdem, ob Javi sich mit ihnen unterhält oder durchs Schlüsselloch schaut. Zwangsläufig bleiben viele Geschehnisse nur angedeutet. Das ist der Hauptgrund für die angenehme Beiläufigkeit, mit der der Film solch schwere Themen wie Tod, Selbstmord, Frustration, Verbitterung, reife Liebe und pubertäre Verwirrungen schildert.

Auf diese Weise wird unaufdringlich der Reifeprozess eines kleinen Jungen erzählt. Jede Erkenntnis über die schrecklichen und wunderbaren Dinge des Lebens ist ein weiterer Verlust von Unschuld und ein Schritt auf dem Weg vom Kind zum Jugendlichen. So kann Javi – anfangs zu hasenfüßig, um über Trittsteine den Fluß zu überqueren – am Schluß schlitzohrig seinem Bruder den Auftritt in der Schulaufführung ermöglichen, obwohl er damit seinen Schulausschluß provoziert und zeigt mit dieser selbstlosen Tat erste Reife. 1970-01-01 01:00
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