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Duell

Duel. USA 1971. R: Steven Spielberg. B: Richard Matheson. K: Jack A. Marta. S: Frank Morris. P: George Eckstein. D: Dennis Weaver, Lou Frizzel, Jaqueline Scott, Eddie Firestone u.a.
85 Min. CIC ab 7.8.73

Psychodrama um zwei Autos

Von Natalie Lettenewitsch Wer Steven Spielberg immer schon für einen Großkotz gehalten hat, der nur entweder Spielzeugorgien oder teuren Geschichtsunterricht, jedenfalls aber nichts ohne größeren Aufwand inszenieren könne – der sollte mal die Gelegenheit nutzen, sich seinen allerersten Langfilm anzusehen. Selbiger ist visuell so sparsam, daß es auch nicht schadet, ihn vom Bildschirm statt von der großen Leinwand zu konsumieren; im Gegenteil, Spielberg drehte ihn tatsächlich als Fernsehproduktion, zwischen dem Kurzfilm Amblin und seinem Kinodebüt The Sugarland Express. Athmosphärisch gesehen fast ein Kammerspiel, gleichwohl Duell sich durchweg in weiten, offenen Außenräumen abspielt, ist er doch paradoxerweise klaustrophobisch.

Unbescholtener Geschäftsmann ist mit dem Auto in spärlich befahrenen Landstrichen unterwegs, überholt dabei einen riesenhaften, scheinbar trägen LKW – und wird diesen für den Rest des Films nicht mehr los. Den aggressiven Fahrer, der ihn nach und nach fast zu Tode hetzt, bekommt weder er noch der Zuschauer je vollständig zu Gesicht – seine zunehmende Panik beruht auf dieser anonymen, fast rein maschinell anmutenden Bedrohung. Und die ist weit wirkungsvoller als etwa die unfreiwillige Komik von John Carpenters Christine, der direkter und platter das unerklärliche Eigenleben eines Autos behauptet. Duell ist mit Sicherheit eine der längsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte – und das erstaunlicherweise mit geringstem Einsatz an oberflächlichen Action-Elementen, umso beklemmender und spannender. Für alle, die sich in der psychopathischen Welt des Straßenverkehrs noch nie so richtig wohl gefühlt haben. 1970-01-01 01:00
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