— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die dritte Dimension

Le couteau dans la plaie. F/I 1962. R: Anatole Litvak. B: Peter Viertel, Hugh Wheeler. K: Henri Alekan. S: Bert Bates. M: Mikis Theodorakis. P: Filmsonor, Dear Film Produzione. D: Sophia Loren, Anthony Perkins, Gig Young, Yolande Turner u.a.
109 Min. United Artists ab 21.12.62

Manchmal kommen sie wieder

Von Manuela Brunner Wäre Hitchcock nicht gewesen, dann wäre alles ganz anders gekommen, und Anthony Perkins wäre sein Leben lang der nette Junge von nebenan geblieben. Doch nachdem der Meister seine dunkle Seite erweckt hatte, war das gefährliche Glitzern aus den unschuldigen Knabenaugen nicht mehr zu verbannen.

Nach Janet Leigh und Ingrid Bergman wird in Die dritte Dimension la bella Sophia sein Opfer – und gleichzeitig er das ihre. Wenige Striche reichen Anatole Litvak, um den Hintergrund ihrer Beziehung zu skizzieren. Dazwischen tun sich die Abgründe der menschlichen Seele auf. Es ist leicht, sich Sophia Loren als eine Art italienischer Eva Perón vorzustellen, die um jeden Preis raus will aus ihrem Provinzkaff alla campagna. Daß sie Norman Bates geheiratet hat, wird ihr erst später klar. Wie einfach wäre es doch, der unglücklichen Ehe zu entrinnen – ein Flugzeugabsturz, der Ehemann tot und die Versicherung als kleines Trostpflaster. Aber Typen à la Perkins sind nicht so einfach totzukriegen. Oh nein. Sie kehren zurück, geläutert von ihren letzten Skrupeln, und wenn sie noch so freundlich mit kleinen Jungen und streunenden Katzen spielen, die Netze der Schmeichelei, des Betrugs und der Erpressung schlingen sich um die manisch angebetete Frau, bis auf dem wunderbar in Schwarzweiß modellierten Gesicht Sophia Lorens der Wahnsinn ausbricht.

Wenn die Leinwand am Ende von den Abgründen ihrer weit aufgerissenen dunklen Augen verschlungen wird, ist nichts mehr übrig von jener jungen Frau vom Anfang, im Nachtclub, tanzend, ohne einen Partner, selbstvergessen und selbstbewußt zugleich. Wie hieß es nochmal zu Beginn des Films? »Die Entfernung zwischen Traum und Wirklichkeit gibt der Liebe die dritte Dimension, nämlich die des Verhängnisvollen.« 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap