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Country

USA 1984. R: Richard Pearce. B: William D. Wittliff. K: David M. Walsh, Roger Shearman. S: Bill Yahraus. P: Touchstone . M: Charles Gross. D: Jessica Lange, Sam Shepard, Wilford Brimley, Matt Clark, Therese Graham u.a.
109 Min. Fox ab 14.3.85

Jenseits des Marlboro-Lands

Von Andrea Keil Weites saftig grünes Grasland, darauf eine Herde zufrieden wiederkäuender Kühe, dazwischen ein seinerseits an einem Getreidehalm herumkauender Cowboy auf seinem Pferd, und ganz hinten am Horizont, dort, wo die Abendsonne den Himmel bereits rot einfärbt, bewegt sich die Kamera langsam auf eine stolz sich aufbauende Farm zu – so oder ähnlich sieht der schon so oft auf Zelluloid gebannte Traum vieler Amerikaner, in der Tiefe ihres Herzens echte Trapper, aus.

In Richard Pearces Sozialdrama schwelgt das Kameraauge allerdings kaum in Malboro-Country-Idyllen, wie es der bloße Titel vielleicht suggerieren könnte. Kein sentimentales Abendrot, stattdessen ein desperates Szenario, das von sturmgepeitschten Steppen, ausgehungerten Schafen und einer vorerst noch harmonischen, bald aber nahezu zerrütteten Kleinbauernfamilie berichtet. Jessica Lange und Sam Shepard in der Rolle des Landwirten-Ehepaars Gil und Jewell Ivy verkörpern in der ersten Hälfte von Country noch das Idealbild pastoralen Familienlebens, doch schon bald rüttelt eine Handvoll bürokratischer Schuldeneintreiber an der ländlichen Existenz des ganzen Farmer-Örtchens, und mit der Hoffnung auf eine bessere Ernte im nächsten Sommer verflüchtigt sich auch der innerfamiliäre Zusammenhalt…

Trotz fehlender Marlboro-Country-Kulisse erzählt Richard Pearce mit seinem Regiewerk auf populäre Art und Weise einen sehr konventionellen Film, eine Geschichte von konservativen Werten und dem Kollaps des amerikanischen Traums. Jessica Lange als kämpferische Bäuerin mit ebensoviel Pioniergeist wie mütterlicher Wärme ist nicht nur der starke Part des ansonsten so träge gen Ruin steuernden Dorfes, sondern repräsentiert gleichzeitig die tragende, vorantreibende Kraft der Handlung. Die so etablierte Spannungskurve stürzt allerdings jäh ab, als dem Film ein enttäuschend abgehacktes Ende bereitet wird.

Insgesamt ein trister, ähnlich wie in Pearces Regiedebüt Heartland (1979) aber auch sehr ergreifender und sensibel inszenierter Film, der auf öde Schwarzweiß-Malerei – bei diesem Stoff in Amerika leider viel zu oft betrieben – verzichten kann. 1970-01-01 01:00
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