— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Buona Sera, Mrs. Campbell

GB 1967. R,B: Melvin Frank. B: Denis Norden, Sheldon Keller. K: Gábor Pogány. S: Bill Butler. M: Riz Ortolani. P: Connaught. D: Gina Lollobrigida, Shelley Winters, Phil Silvers, Peter Lawford, Telly Savalas, Philippe Leroy, Lee Grant, Janet Margolin u.a.
112 Min. United Artists ab 28.3.69

Schwungvolle Starkomödie über Moralvorstellungen und menschliche Schwächen

Von Frank Brenner »Von Alimenten läßt sich's leben« war als ursprünglicher deutscher Verleihtitel für diese herzhaft turbulente Hollywoodkomödie vorgesehen. Damit wäre zwar ein wesentlicher inhaltlicher Bestandteil offensichtlich geworden; gerechter wird dem Film allerdings sein Originaltitel, der letztendlich dann auch für die deutschen Kinos einfach übernommen wurde.

Gina Lollobrigida hatte sich im Zweiten Weltkrieg als junges Mädchen mit drei amerikanischen Soldaten in Serie eingelassen und danach eine Tochter zur Welt gebracht. Da sie nicht wußte, welcher ihrer drei US-Liebhaber der Vater ist, kassierte sie zwanzig Jahre lang von jedem ab. Zu einer Wiedersehensparty im italienischen Dörfchen wollen nun die drei »Väter« ihre Tochter kennenlernen. Das führt natürlich zu Komplikationen, zumal die Männer mittlerweile alle verheiratet sind und mit Gefolge ihrer Gattinnen anrücken und im Dorf – einschließlich des jungen Mädchens – alle glauben, Ginas Mann »Mr. Campbell« sei im Krieg bereits gefallen.

Melvin Frank, ein Komödienspezialist Hollywoods der alten Schule, hat mit diesem Film eine moralische Bestandsaufnahme der 60er Jahre vorgelegt - und die Moralvorstellungen der 40er Jahre bloßgestellt. Ist es verwerflicher, sich als junges Mädchen mit drei Männern einzulassen oder eine junge Mutter zu brandmarken, deren Kind unehelich zur Welt kommt und ohne Vater aufwächst? Kann man sich aus seiner Verantwortung ziehen, indem man diese mit monatlichen Überweisungen zu begleichen sucht? Was als Nährboden für eine Komödie genutzt wird, hat durchaus seine ernsten, realitätsnahen Momente. So verwundert es auch nicht, daß die Figuren des Films alle mit sehr präzise gezeichneten Charaktereigenschaften ausgestattet sind, von denen vor allem die menschlichen Schwächen immer wieder deutlich zu Tage treten.

Phil Silvers, einer der brillantesten amerikanischen Nachkriegskomiker, der vor allem aus Stanley Kramers It's a Mad Mad Mad Mad World gut in Erinnerung geblieben ist, darf seinen eigenen Stil im Ensemblespiel beibehalten, ohne daß es aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil - die Rolle des trotteligen Familienvaters auf Freiersfüßen, der seine »Verbündeten« auf der anderen Seite der Kamera nach jeder neuerlichen Pleite mitleiderregend anschaut, scheint Silvers regelrecht auf den Leib geschrieben. Die Firma, die seinem Filmcharakter Phil Newman gehört, heißt übrigens Silvers Shoes. Derartige Insidergags finden sich häufiger in diesem Film.

Der gekonnt inszenierte Spaß ist flott geschnitten, vor allem in den an Boulevardtheaterstücke erinnernden Szenen im Haus der Lollo, in denen Türen knallen und sich die Väter regelrecht die Klinke in die Hand geben, ohne sich natürlich begegnen zu dürfen. Und wenn es besonders chaotisch wird, darf Gina Nazionale auch mal eine italienische Fluchkanonade ausstoßen – im Original ohne Untertitel. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap