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Der Bockerer 2 – Österreich ist frei

A 1996. R,B: Franz Antel. B: Martin Becher, Beatrice Ferolli, Wilhelm Pritil, Carl Szokoll. K: Helmut Pirnat. S: Charlotte Müllner. M: Gerhard Heinz. P: epo/Terra. D: Karl Merkatz, Caroline Vasicek, Sascha Wussow, Ida Krottendorf, Heinrich Schweiger u.a.
100 Min.

Ein Grantler im Kalten Krieg

Von Oliver Baumgarten Politik ist für ihn ein graues Tuch. Schon im ersten Teil von 1981 benimmt sich Karl Bockerer zum Anschluß Österreichs an Hitlers sogenanntes »Drittes Reich« so, wie es sein Name vermuten läßt. Bockig ist er, ein Patriot Österreichs, der die politische Tragweite der Braunen nicht begreift, der sich ihnen widersetzt, weil sie seine persönliche Freiheit einschränken. Von seinem eigenen Verständnis von Recht und Unrecht kann ihn niemand abbringen. Der Bockerer ist das, was man wohl einen »aufrechten Bürger« nennt – andere würden ihn vielleicht ebenso treffend als Ignoranten bezeichnen.

Der zweite Teil beginnt mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die, die noch übrig geblieben sind im zwischen Russen und Amerikanern geteilten Land, werden fein säuberlich in Gut und Böse, in Nazianhänger und Nienazigewesene dividiert. Der Bockerer, mit einem Ruf als bekanntem Antifaschisten ausgestattet, paßt zu niemandem und doch wieder zu allen. Er hat Freunde hüben wie drüben, bei den Amis, den Russen, den ehemaligen Gestapos und den Mitläufern. Er ist ein alter Mann, der sagt, was er denkt, der furchtbar cholerisch werden kann und damit überall aneckt. Im Mittelpunkt seiner Nachkriegsverstrickungen steht die russische Übersetzerin Elena, die nicht nach Hause zurückkehren mag und sich in den Kriegsheimkehrer Gustl verliebt. Als sie ihren Marschbefehl erhält und die Hochzeit zu scheitern droht, setzt der Bockerer alle Seiten in Bewegung, nutzt all seine »Außenstände« an Gefallen und Diensten, die man ihm rundherum schuldet, um die beiden zu ihrem verdammten Recht zu verhelfen: Wer heiraten möchte, sollte dies tun können. Die Sehnsucht nach einem freien Österreich ist groß.

Das einfache Volk als Opfer der Umstände, so lautet die simplifizierte Botschaft des Films. Die Kunst des Durchwurschtelns, des bauernschlauen Ausnutzens eines Systems von Geben und Nehmen beherrscht Schlachter Bockerer stellvertretend für das Gros der Überlebenden perfekt. Trotzdem ist der Bockerer alles andere als ein Opportunist, sein Wiener Schmäh macht vor nichts Halt. Karl Merkatz gelingt es in der Rolle, gehörig Sympathien zu wecken. Und auch, wenn Franz Antels Nachkriegswelt alles in allem sicherlich sehr nostalgisch und einfach ausfällt, so wirkt der Film stellenweise angenehm ambivalent. Denn ebenso könnte Der Bockerer 2 schlicht als handwerklich gelungene und durchaus unterhaltende Soap-Opera durchgehen, die eine Realität von vor 50 Jahren eben so darstellt, wie es GZSZ mit der heutigen macht. In Kärnten allerdings, da könnte der Film womöglich als Doku mißverstanden werden. Aber: Manchmal muß Unterhaltung eben des Messers Schneide beschreiten. 1970-01-01 01:00
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