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Belle Epoque

E 1993. R: Fernando Trueba. B: Rafael Azcona. K: José Luis Alcaine. S: Carmen Frias. M: Antoine Duhamel. P: Iberoamericana u.a. D: Jorge Sanz, Penélope Cruz, Maribel Verdú, Fernando Fernán-Gómez, Ariadna Gil, Michel Galabru u.a.
109 Min. Tobis ab 16.12.93

Eine Mittsommernachtssexkomödie

Von Oliver Baumgarten Während des Vorspanns marschiert die handgeführte Kamera in heller Nacht schnurstracks auf einen Koffer zu, der einsam mitten auf der Straße steht. Zwei bewaffnete Polizisten, zwangsweise Monarchisten, öffnen ihn und finden eine republikanische Uniform. Der Koffer gehört dem desertierten Fernando, der nun Zeuge wird, wie sich die beiden Polizisten in einen absurden politischen Streit verwickeln, an dessen Ende sich beide behende selbst erschießen. Es ist Frühling 1931, und Spanien steht kurz vor der Abdankung seines Königs. Die Republik ist nah, die Verwirrung groß.

Ein brillanter dramaturgischer Kniff, mit dem Rafael Azcona seine smarte Hauptfigur ins politisch verwirrte, doch sonnendurchflutete ländliche Leben des Künstlers Manolo entläßt. Das von Libertinage geprägte Leben des alten Mannes beeindruckt Fernando, und er freundet sich mit ihm an, dessen letztes Bild vor einer Schaffenskrise eine datierte weiße Leinwand war. »Siehst Du«, sagt Manolo zum staunenden Fernando, während er auf die Signatur weist, »ein Jahr vor Malevic!«

Dann wird es Sommer, und mit ihm fallen die vier Töchter Manolos ins Anwesen ein. Nicht genug, daß eine schöner ist als die andere, sie alle leben auch noch äußerst willig die geschätzte Libertinage des Vaters aus. Ehe sich der unerfahrene Fernando versieht, wird er zum erotischen Spielball der bezaubernden Töchter. Nur eine von ihnen, eine meint es ziemlich ernst. Wird der von so viel Anmut Geblendete die Richtige erkennen?

Natürlich wird er das, und daraus macht der großartige Fernando Trueba auch von Beginn an keinen Hehl. Seine wunderschön illustrierte und sommerleicht inszenierte »Boy Meets Girls«-Geschichte mit einer Hochzeit und einem Todesfall beschäftigt sich weniger mit der Frage »Whogetshim«, sondern begeistert durch spitzfindige und amüsante Dialoge und einigen ausgesprochen hübschen Portionen Erotik. Darstellerische Highlights setzt zweifellos das Aufeinandertreffen des altehrwürdigen spanischen Mimen Fernando Fernán-Gómez mit dem französischen Erzkomödianten Michel Galabru, die gemeinsam einige starke Szenen ausfüllen. Die bezaubernde Penélope Cruz, hier in einem sehr frühen Film, gibt das schmollende Nesthäkchen und überzeugt als Kratzbürste derart, daß ihre späteren exzentrischen und sehr viel derberen Rollen im spanischen Kino kaum mehr vorstellbar sind. Aber Gott sei Dank hat das spanische Kino Almodóvar, Trueba oder Bigas Luna. 1970-01-01 01:00
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