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Immer Ärger mit Harry

The Trouble With Harry. USA 1956. R: Alfred Hitchcock. B: John Michael Hayes. K: Robert Burks. S: Alma Macrorie. M: Bernard Herrmann. P: Paramount. D: Edmund Gwenn, John Forsythe, Shirley MacLaine, Mildred Natwick u.a.
99 Min. Paramount ab 14.8.56

Das große Graben

Von Eva Tüttelmann Harry ist nicht das, was man einen angenehmen Zeitgenossen nennt. Das ist wohl einer der Gründe, warum niemand sein Ableben als Schande empfindet. In dem verschlafenen Dörfchen, in dem seine Leiche gefunden wird, fühlen sich erstaunlich viele Menschen verantwortlich für seinen Tod, wollen aber ungern die Schuldigen sein. Und hier geht der Ärger mit Harry erst richtig los. Seine Leiche muß weg und das unbemerkt und möglichst schnell.

Immer Ärger mit Harry ist schwarz. Der Film steht für düsterste Hitchcocksche Komik und spielt mit einer Thematik, die manch einer vielleicht wenig bis gar nicht komisch findet. Jedoch versprüht der schwarze Humor, gepaart mit der fast schon künstlich bunten Herbstlandschaft, in der der Altmeister seine Geschichte inszenierte, und dem naiven Charme der 1950er Jahre, einen Zauber, dem man sich kaum widersetzen kann. Unterstützt wird die grotesk anmutende Komik durch den Score von Bernard Herrmann, der durch seine gelungene Instrumentierung die Mischung aus arglosem Handeln und der kriminellen Energie, deren Existenz wohl keiner der Protagonisten vonsichweisen kann, zu betonen weiß.

Wunderbar besetzt, unter anderem mit der jungen Shirley MacLaine, die hier ihr Leinwanddebüt gibt, und dem rundlichen Edmund Gwenn, dessen walisischer Akzent eine wahre Wonne ist, stolpern Hitchcocks ursprünglich unbescholtene Figuren immer tiefer in die selbstausgelöste Misere hinein, sie schaufeln sich ihr eigenes Grab. Oder besser gesagt: Sie halten es für eine tolle Idee, Harry ein Grab zu schaufeln. Anstatt den Leichenfund ordnungsgemäß zu melden, steigern sie sich sehr erfolgreich in ihre Schuld hinein und sehen nur einen Ausweg: Harry muß unter die Erde. Doch kaum ist er dort, muß er wieder raus, denn ein neues Detail ändert die Sachlage vollständig. Und so weiter. Hitchcock gelingt es in Immer Ärger mit Harry tatsächlich, einen ganzen Film zu füllen, in dem die Protagonisten nichts anderes tun, als eine Leiche ständig ein- und wieder auszubuddeln. Und es gelingt ihm ohne Längen, was ihn auf eine ganz eigene Weise auszeichnet. Sein spitzfindiges Werk ist ein Klassiker in jeder Hinsicht: Die unbescholtenen Bürger sind am Ende völlig unschuldig (eigentlich), der bettelarme Maler Sam Marlowe trifft auf einen Millionär, der nahezu sein gesamtes Werk aufkauft, der kleine Arnie hat einen neuen Papa und, ach richtig, aus vier Protagonisten lassen sich ja auch noch zwei Paare machen – auch wenn die Handlung nur einen Tag umfaßt. Alles ist schlußendlich wieder so, wie es sich gehört, die Ordnung ist wiederhergestellt und vor allem: The Trouble With Harry is Over. 1970-01-01 01:00
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