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Balduin, das Nachtgespenst

Le Tatoué. F/I 1968. R: Denys de La Patellière. K: Sacha Vierny. S: Claude Durand. M: Georges Garvarentz. P: Ascot Cineraid, Les Films Copernic, Les Films Corona. D: Jean Gabin, Louis De Funès, Paul Mercey, Yves Barsacq u.a.
90 Min. Constantin ab 21.3.69

Gabin und De Funès lernen das Leben lieben

Von Thomas Waitz Daß er kein Blech reden solle, und es nicht so kompliziert machen möge, und es doch überhaupt nur ein kleiner Eingriff sei, herrscht Felicien Mezeray sein Gegenüber an. Louis De Funès spielt den, der das sagt: Einen Kunsthändler, der, mit der Verve des hektischen Emporkömmlings, stets um seinen Status bedacht , dennoch und fortdauernd verhaftet bleibt im Denken der kleinbürgerlichen Enge, die ihn hervorgebracht hat. Eine typische De Funès-Figur eben. Sein Gegenüber, das ist niemand anders als Jean Gabin, in der Rolle des altgedienten Soldaten Legrain. Und der Eingriff, zu dem, von Gier und Maßloigkeit besessen, der gute Mezeray sein Opfer überreden will, das ist das Abziehen der Haut auf dem Rücken – mitsamt der großflächigen, vermeintlich »wertvollen« Tätowierung, die sich auf ihr befindet.

Nun scheint es gut denkbar, daß da mithin auch ein ganz anderer Film hätte entstehen können. Es ist dann doch ein Starvehikel für den stets drängelnden, gestikulierenden, hüpfenden De Funès geworden. Und – für Jean Gabin, der zumeist grantig, polternd und rüde, später jedoch umso überzeugter scheint, die sich ihm bietende Möglichkeit, für die Entfernung der Verzierung eine Komplettsanierung seines herrschaftlichen Anwesens zu erzielen, nicht ungenutzt zu lassen. Und so geht es bald für die beiden Citoyens auf Land, und damit auf eine Reise voller Mißverständnisse: De Funès in einem albernen Pelzmäntelchen, empört über die Einschränkungen, die in Kauf zu nehmen er vom alten Haudegen Legrain genötigt wird.

In tiefgesättigten Francscope-Bildern schwelgt der temporeiche Film in der sommerlichen Landschaft - und in einer vergangenen Zeit: Mit Gabin und De Funès treffen nicht nur zwei unverwechselbare, von unterschiedlichsten Rollenverständnissen geprägte Schauspieler aufeinander, sondern auch die Oppositionen von Land und Stadt, von Ruhe und Hektik, von vormodernem Ideal und längst begonnener Moderne. Am Ende gibt es dann fast so etwas wie eine Versöhnung, aber es ist eine, die das schelmische Lachen des dickköpfigen De Funès trägt. 1970-01-01 01:00
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