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Babys auf Bestellung

The Tunnel of Love. USA 1958. R: Gene Kelly. B: Joseph Fields. K: Robert Bronner. S: John McSweeney, Jr. M: Patty Fischer. P: MGM. D: Doris Day, Richard Widmark, Gig Young, Elisabeth Frazer u.a.
106 Min. MGM ab 15.5.59

Expecting the Day

Von Nikolaj Nikitin Gene Kelly gehört neben seinem Kollegen Fred Astaire zu den bedeutendsten Tänzern der Filmgeschichte und ist auf ewig mit der großen Ära der US-Studiozeit verbunden. Klassiker wie Singing in the Rain oder Ein Amerikaner in Paris bleiben für immer unvergeßlich. Neben wunderschönen Frauen als Tanzpartnerinnen wagte er auch das Tanzbein mit Jerry, der Maus zu schwingen. Während Fred eher der galante Gentleman war, fiel Gene als charmanter Draufgänger und Luftikus auf, dessen Tänze stets mit gekonntem Timing und kreativem Drumherum aufwarteten – beispielsweise die Mülltonendeckel in Singing in the Rain. Doch Kelly war nicht nur Tänzer, er entwickelte sich über die Jahre zum ausgefeilten Charakterdarsteller und war immer wieder als Regisseur tätig. 1949 inszenierte er sich noch selbst als Co-Regisseur in Heut geh'n wir bummeln. Es folgten große Musical-Erfolge wie Du sollst mein Glücksstern sein und Hello Dolly. Aber auch mit dramatischen Stoffen konnte er überzeugen, und brillierte 1961 mit Gidot, der Stumme vom Montmartre.

1958 entstand die Ehekomödie Babys auf Bestellung mit der »Sauberfrau der Nation« Doris Day und einem überraschend zahmen Richard Widmark. Als ein seit fünf Jahren – glücklich – verheiratetes Paar wünschen sich die beiden nichts sehnlicher als Nachwuchs. Dabei ist es wunderbar erfrischend, dem sonst bärbeißigen Widmark dabei zuzuschauen, wie er die immerwährenden sexuellen Aufforderungen von Day zur Befruchtung meist doch recht kindisch abschmettert. Da trotz unzähliger Versuche kein Erfolg in Sicht ist, entscheiden sich die beiden zur Adoption. Doch vorher müssen sie noch auf ihre Fähigkeit als Adoptiveltern auf Herz und Nieren geprüft werden. In diesen Momenten erinnert der Film an George Stevens' Melodrama Penny Serenade mit dem Traumpaar Gary Grant und Irene Dunn. Der sonst enthaltsame Widmark fängt bei unerwarteten Kontrollbesuchen der Adoptivagentur jedoch plötzlich zu trinken an, womit er eine humoristische Kette von Verwicklungen auslöst, die bis zum obligatorischen Happy End noch zu manchem humorvollen Höhepunkt führt.

Kelly hält die Regiezügel fest im Griff, bietet seinen erprobten Stars jedoch viel Freiraum, wobei Day ihr Goldkehlchen schonen darf und nur bei einer Party mal einen Song mitsummen darf. Selten sah ich jedoch Widmark so verletzlich und bedroht durch den Raum tapsen, wobei er weder von Gangstern noch von der Polizei verfolgt wird – und nicht einmal eine Kugel in irgendeinem Körperteil stecken hat. Aber nicht umsonst ist nichts mehr gefürchtet als die Rache einer erzürnten Ehefrau. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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