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Italienisch für Anfänger

Italiensk for begyndere. DK 2000. R,B: Lone Scherfig. K: Jorgen Johansson. S: Gerd Tjur. P: Danmarks Radio, Det Danske Filminstitut. D: Anders Wodskou Berthelsen, Lars Kaalund, Peter Gantzler, Ann Eleonora Jørgensen u.a.
108 Min. Kinowelt ab 17.1.02

Learning by Doing

Von Daniel Bickermann In dem tristen Lehrsaal einer dänischen Landgemeinde trifft sich jede Woche eine Gruppe verlorener und verschüchterter Menschen, vereint in dem leicht absurden Ziel, in einem Volkshochschulkurs Italienisch zu lernen. Ausgrechnet. Was folgt, könnte als Werbefilm für Erwachsenenbildung oder die südländische Lebensweise an sich durchgehen – ist aber viel unterhaltsamer.

Den Kennern der dänischen Dogma-Filmbewegung wird nicht nur Kamera- und Erzählstil vertraut vorkommen (und einige der Darsteller), sondern auch der triste Lehrsaal, der schon in Lars von Triers Dancer in the Dark als Schauplatz diente. Trotzdem könnte der Kontrast zu schicksalsschweren Dogma-Filmen wie Idioten oder Das Fest nicht größer sein – Regisseurin Lone Scherfig hat verstanden, daß die auferlegten Regeln nicht nur zur radikalen Dramatisierung taugen, sondern auch eine ganz neue Nähe zu den Figuren erlauben, mit denen man am Abendessenstisch, in der Kirche oder beim Frisör zu sitzen glaubt, und die man so trotz all ihrer menschlichen Schwächen erstaunlich lieb gewinnt. Da ist der traurige Pfarrer, der nach dem Tod seiner Frau in eine neue Gemeinde versetzt wird, es gibt eine ungeschickte Bäckerin unter der Fuchtel eines diktatorischen Vaters und eine resolute Friseurin im Bann ihrer krebskranken Mutter, eine italienische Kellnerin, einen aufbrausenden Restaurantwirt ohne Job und seinen erfolgreichen, aber einsamen besten Freund.

Daß keine dieser Figuren zur Karikatur oder ins Klischee abrutscht, gelingt der Regisseurin durch erstaunlich ruhige, geradezu intime Dialogszenen, in denen sie den leisen Ton hochregelt und (ganz gegen die Regen) mit gelegentlich eingespielter Musik unterlegt, die Handkamera bändigt und jeden Voyeurismus am Leid der Figuren konsequent ablehnt. Der Blickwinkel ist freundlich und will auch nichts anderes sein, der Film gibt sich gerne damit zufrieden, eine etwas melancholische, nordeuropäische Komödie zu sein und erreicht dieses Ziel auf herzerwärmende Weise. Er bleibt eines dieser unbeschwerten Filmvergnügen, die dem Zuschauer ein langanhaltendes Lächeln aufs Gesicht zaubern und für die man sich niemals zu schämen braucht. Es ist unheimlich schwer, die Art von Leichtigkeit zu erreichen, die Scherfig in diesem Film zeigt. Sicher sind da auch herzzerreißende Tragik und mindestens ebensoviele Todesfälle wie Liebschaften, doch der Tonfall rutscht niemals in Verharmlosung oder gar Ästhetisierung des Leidens ab, sondern konzentriert sich mit liebevoller Hingabe auf die manchmal ungestümen, manchmal tapsigen Versuche seiner Protagonisten, all das Leid der Vergangenheit hinter sich zu lassen und für sich selbst endlich ein Happy End zu finden. Es sei ihnen und uns gewährt. 1970-01-01 01:00

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