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Sein oder Nichtsein

To be or not to be. USA 1942. R: Ernst Lubitsch. B: Edwin Justus Mayer. K: Rudolph Maté. S: Dorothy Spencer. M: Werner R. Heymann. P: Romaine Film Corporation. D: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack u.a.
99 Min. DFH ab 12.8.60

Auf dem schmalen Grat

Von Bettina Schuler Ernst Lubitschs bitter-böse Abrechnung mit dem Nationalsozialismus ist immer noch eine der besten Satiren über die menschenverachtende Diktatur der Faschisten. Basierend auf dem Theaterstück »Noch ist Polen nicht verloren« von Melchior Lengyel erzählt der Meister der Screwball-Comedy die Geschichte einer polnischen Theatertruppe, die mitten im Zweiten Weltkrieg eine Parodie auf Hitler und seine Gefolgsleute probt, die jedoch in letzter Minute von der polnischen Regierung verboten wird, weil diese eine Provokation Hitlers befürchtet. Stattdessen setzt die Theatermannschaft den »Hamlet« auf den Spielplan, nicht ahnend, daß sie nur kurze Zeit später auf ihr altes Repertoire zurückgreifen muß, um ums Überleben zu spielen. Ein Klassiker unter den Anti-Nazi-Filmen, in dem es Lubitsch gelingt, auf dem schmalen Grat zwischen schwarzer Komödie und ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu wandern. Indem Lubitsch die Gesten des Führerkults mit der Mimik von Schmierenkomödianten gleichsetzt, gelingt es ihm, das Mitläufertum und die Dummheit der Nationalsozialisten zu entlarven und sie ohne Verharmlosung ins Lächerliche zu ziehen. Schnell, bissig und wortgewandt, mit dem viel zitierten und schwer definierbaren Lubitsch-Touch, den Regisseure wie Billy Wilder bewunderten und der über seiner Bürotür zum Andenken an das Komödiengenie ein Schild aufhängte, auf dem »How Would Lubitsch Have Done it?« zu lesen war. Zudem gibt es in To Be or Not to Be die großartige Carole Lombard als Maria Tura in ihrer letzten Rolle zu sehen. Ein Film, der viel zu selten gesendet wird und von keinem Filmliebhaber verpaßt werden darf! 1970-01-01 01:00
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