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Ein Fisch namens Wanda

A Fish Called Wanda. GB 1988. R: Charles Crichton. B: John Cleese. K: Alan Hume. S: John Jympson. M: John Du Prez. P: Michael Shamberg/ Prominent Features. D: John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken, Patricia Hayes u.a.
108 Min. UIP ab 26.1.89

Niemand nennt mich »dämlich«!

Von Frank Brenner Charles Crichton war einer der wichtigsten englischen Komödienregisseure der 50er Jahre. Seine Filme Einmal Millionär sein (1951) und Herzlich willkommen im Kittchen (1958) genießen seit langem Kultstatus. 1988 zeigte der mittlerweile 78jährige Altmeister nach über 20jähriger Spielfilmpause, daß er das Komödientiming noch immer beherrschte und nicht wie manche seiner Kollegen sowohl inhaltlich als auch stilistisch im Glanz vergangener Zeiten steckengeblieben war. Sein Lohn war eine Oscar-Nominierung für seinen international nun wohl bekanntesten und leider letzten Film, Ein Fisch namens Wanda.

Es geht bei dieser rasanten Komödie voller Dialogwitz, Situations- und Typenkomik um einen Zierfisch namens Wanda und ihren tierliebenden Besitzer Michael Palin, der durch die unglückliche Verkettung einiger Mißgeschicke unfreiwillig zum mehrfachen Hundekiller wird. Aber es geht auch um eine Bankräuberin namens Wanda, die mit ihren drei Komplizen um eine beachtliche Diamantenbeute zu raufen beginnt. Jeder scheint der beste Freund des anderen zu sein, aber all diese aufdringlichen Zutraulichkeiten sind nichts weiter als Show, die vertuschen soll, daß man doch nur an sich selbst denkt.

Auf solch einen Doppelbluff fällt auch Strafverteidiger John Cleese herein, der von Wanda Jamie Lee Curtis zunächst nur aus Eigeninteresse becirct wird. Cleese hat sich diese Glanzrolle selbst auf den Leib geschrieben. Einmal mehr kann er hier beweisen, daß er dann am besten ist, wenn er einen überkorrekten britischen Mittelständler spielt, der aus seinem Alltagstrott herausgerissen wird, ehe er überhaupt weiß, wie ihm geschieht. Ihn nackt und mit offenem Mund in einem fremden Appartment vor einer fünfköpfigen Familie stehen zu sehen gehört zu den zahlreichen Highlights dieses köstlichen Films. ?Alan Humes Kameraführung ist für einen englischen Film erstaunlich unverkrampft und innovativ. Rasant kreist sie gleich zu Beginn während des Banküberfalls durch die Szenerie und verharrt experimentierfreudig in schiefwinkligen Einstellungen. Einige optische Gags funktionieren erst durch Humes grandiose Arbeit. Hervorragendes Timing bewies auch der Cutter John Jympson beim Gegenüberstellen der Bettszenen zwischen Cleese und Maria Aitken bzw. Curtis und Kevin Kline. »No Sex, please, we're British!« auf der einen Seite und animalische Triebe zu italienischen Wortfetzen auf der anderen.

Kevin Kline hüpft in der Tat mit einem Charme und unübersehbarer Spielfreude durch seine Oscar-prämierte Rolle. Er zeigt uns, daß man als Amerikaner in London nur laut genug »Arschloch« brüllen muß, um auch auf der rechten Seite fahren zu können. Aber nennen Sie ihn bloß nicht dämlich! »Wie war das noch mal im Mittelteil?« 1970-01-01 01:00

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