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Spion zwischen zwei Fronten

Triple Cross. GB/F/BRD 1966. R: Terence Young. B: René Hardy. K: Henri Alekan. M: Georges Garvarentz. P: Cineurop / Gloria. D: Christopher Plummer, Romy Schneider, Gert Fröbe, Trevor Howard, Claudine Auger, Yul Brynner, Harry Meyen, Jess Hahn u.a.
136 Min. Gloria ab 24.2.67

Schnaps im Zweiten Weltkrieg

Von Oliver Baumgarten Der Kamerameister Henri Alekan und Terence Young, Spezialist für Star-Ensembles, schufen mit Spion zwischen zwei Fronten ein buntes Zweiter-Weltkrieg-Abenteuer, wie sie es nur in den 60ern gegeben hat. Mit einer Farbsättigung, die an Völlerei grenzt, erzählen sie in flottem Tempo ihre mit Klamauk, Action und ordentlicher Portion Spannung aufgepeppte Geschichte, deren historischer Hintergrund nur mehr als zu erahnender Fleck am Horizont erkennbar ist.

Der herrlich selbstironische Christopher Plummer schlüpft – wie immer außerordentlich elegant – in die Rolle des Meisterdiebs Eddie Chapman, der inmitten des Zweiten Weltkriegs seinen Meister zunächst in der deutschen Polizei gefunden hat, die ihn des mehrfachen Raubes überführt in den Knast geschickt hat. Als jedoch im Krieg gegen England dem deutschen Militär eine perfide List einfällt, für deren Erfüllung es eines geschickten Gentlemans bedarf, da kommt man kleinlaut auf ihn zu. »Man«, das ist in diesem Fall der mürrische Oberst Steinhäger, der intern nur schlicht »Schnaps« genannt wird. Steinhäger also heuert Chapman für einen gewagten Agentenauftrag an, der diesen nach England führt, um dort ein Gebäude zu sprengen. Natürlich bändelt er mit dem britischen Geheimdienst an und findet sich flugs als Doppelagent wieder in Deutschland ein. Steinhäger allerdings, als ehemaliger Polizist, traut dem Braten nicht und setzt sich argwöhnisch auf Chapmans Fersen.

Oberst Steinhäger wird in unvergleichlicher Manier von Gert Fröbe verkörpert. Polternd und miesepetrig, immer ängstlich, vom Gegenüber gelinkt zu werden, durchbohren seine Augen den Gesprächspartner. Trotz seiner Masse lauert er wie ein Luchs, um nicht den Augenblick zu verpassen, in dem sich jemand verraten könnte als Feind der eigenen Sache. Seine scheppernde Stimme mit dem – auch im Englischen – stets spürbaren sächsischen Einschlag wirkt so vertraut und ist vielleicht deshalb der Grund dafür, daß man ihm bei aller Boshaftigkeit seiner Rollen nie gänzlich böse sein kann. Noch ein Jahr zuvor, 1965, hat man dies in bestimmten Kreisen ganz anders gesehen. Kurz nach dem Start von Goldfinger, als Fröbe zu den Dreharbeiten von Is Paris Burning? erneut einen Nazi-Offizier spielte, erschienen Berichte in der internationalen Presse, die Fröbe selbst als ehemaligen Nazi zu bezichtigen beabsichtigten. Diese massiven Anschuldigungen mündeten letztendlich gar darin, daß seine drei aktuellen Filme (darunter Goldfinger) in Israel verboten wurden. Die sich zuspitzenden Geschehnisse fanden erst ihr Ende, als in der Israelischen Botschaft in Wien jemand an Eides statt bestätigte, was Fröbe zu seiner Verteidigung hervorzubringen gezwungen war, nämlich daß Fröbe ihn und seine Mutter vor der Verfolgung der Nazis im Krieg versteckt habe.

Eine Anekdote, die, wenn man so will, für Fröbes Authentizität im Spiel steht, die aber andererseits vielmehr die Sensibilität andeutet, mit der (bis heute) auf fiktional bearbeitete Stoffe über die Zeit des Zweiten Weltkrieges reagiert wird. Sensibilität jedoch dürfte auch kaum die passende Vokabel für Spion zwischen zwei Fronten sein, der (gerade deswegen?) prächtig unterhält und seine Spannung klar aus der Fiktionalisierung zieht. 1970-01-01 01:00
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