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Polizeiruf 110: Taubers Angst

D 2006. R,B: Klaus Krämer. K: Ralph Netzer. S: Anja von Rüxleben. M: Torsten Sense, Mike Duwe. P: d.i.e.film. D: Edgar Selge, Michaela May, Tayfun Bademsoy, Michael Rast u.a.
90 Min.

Der Hase und der Igel

Von Maike Schmidt Einer klassisch-stringenten Erzählweise, die für den Krimi gerne genutzt wird, will sich dieser Film verwehren. Eine Mörderhatz, die am Ende seinen Höhepunkt setzt und bis dahin Verdächtige, Tatmotive und Vorgehensweisen en masse präsentiert, wird hier im ersten Drittel verhandelt, welches dann in einem traumatisierten ersten Ermittler kulminiert. Tauber, der Kommissar mit nur einem Arm, muß sich hier seinen Ängsten stellen, die ein so klar liegender Fall urplötzlich mit sich bringt. Präsentiert wird in Folge ein gebrochener Mann, der in der Aufarbeitung alter Wunden feststellen muß, daß er damals mehr verloren hatte als nur seinen linken Arm. Viel Zeit bringt der Film damit auf, den paranoiden, verängstigten Weg des Ermittlers zu folgen, der sich über die Täterüberführung hinwegsetzt. Die erschreckenden Umstände, die ein Mord sowieso schon mit sich bringen und die oft ausreichen, einem Krimi seine Mise-en-scène zu geben, werden hier auf das Leben Taubers übertragen, der sich nun seiner Umwelt und vor allem sich selbst hilflos ausgeliefert fühlt. Der Anblick eines Toten, normalerweise, so des Zuschauers Weisheit, ein alltägliches Moment in der kriminalistischen Berufswelt, führt nun zu Panikattacken, die eine klare Trennung zwischen sich als Person und der Arbeit nicht mehr möglich machen. Erst ganz zum Schluß darf der Kommissar siegen, zuerst am Ziel ankommen, wo bis dato der Mörder schon lächelnd wartete.

Tauber alias Edgar Selge gegenübergestellt ist Denninger alias Herbert Knaup, Auslöser eines seelischen Kausalzusammenhangs. Seine unumstößliche Arroganz und Menschenverachtung wird von Tauber außer Kontrolle gesetzt, Denningers Rache geht über den körperlichen Angriff hinaus in ein Hinabstoßen des Kommissars in seine eigenen Abgründe. Denningers Macht über den Ermittler ist dann nicht nur in seiner Stärke als Gegner ablesbar, der eine Überführung schwierig macht, sondern auch in der Tatsache, daß bald niemand Tauber mehr glauben mag. Egal, in welche Richtung er sich wendet, der andere war schon da.

Behutsam zeigt der Film den psychischen Zusammenbruch eines Mannes, der heillos überfordert dem Mörder hinterherstolpert, immer mehr strauchelt und am Ende doch nicht fällt. In stillen Bildern wird ein bewegendes Porträt gezeichnet, das den Helden gefangen in seinem eigenen Wahn zeigt und das Interesse des Zuschauers vom Rätselraten wegführt. Der Plot verliert daneben aber nicht an Spannung und setzt ein prägnantes Ende, was für eine qualitative und innovative Fortführung dieser Reihe spricht. 1970-01-01 01:00
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