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Denen man nicht vergibt

The Unforgiven. USA 1960. R: John Huston. B: Ben Maddow. K: Franz Planer. S: Russell Lloyd. M: Dimitri Tiomkin. P: James Productions. D: Audrey Hepburn, Burt Lancaster, Lilian Gish, Audie Murphy, Kipp Hamilton u.a.
121 Min. United Artists ab 13.9.60

Rot-Weiß-Malerei

Von Annika Höppner John Huston war der Regisseur, der Humphrey Bogart zu einem Star machte. Mit seinem Film Die Spur des Falken von 1941 schuf er Bogart seine Paraderolle des jedem mißtrauenden Detektivs. Kaum einer von Hustons späteren Filmen erreichte mehr die visuelle und dramaturgische Klarheit dieses Erstlings, der den Begriff des »Film Noir« entscheidend prägte. Trotzdem haben viele seiner Filme eine zweite Bedeutungsebene über ihre bloße Geschichte hinaus. Hustons Filme kann man in zwei Kategorien unterteilen: Die eine bezeichnet Filme über eine Gruppe von Menschen, die in ihrem Bestreben scheitern (z.B. Moby Dick). Die andere sind Filme über potentielle Liebende, die gegen eine feindselige Gesellschaft anzukämpfen haben. Denen man nicht vergibt gehört zu letzterer.

In der Verfilmung eines Roman von Alan Le Mays, der schon die Vorlage zu Der schwarze Falke geliefert hatte, geht es um eine junge Frau (Audrey Hepburne als Rachel), die unter dramatischen Umständen erfährt, daß sie kein leibliches Kind der Rancherfamilie Zachary ist, sondern eine Kiowa-Indianerin. Die weißen Nachbarn wollen darauf hin nichts mehr von ihr wissen, und die Kiowas verlangen im Gegenzug ihre Auslieferung. Es entsteht ein packender Western, der die Idiotie jeglichen Rassismus unterstreicht. Der als indianerfeindlichste Film aller Zeiten geltende Western ist wegen seiner Überzeichnung der Rassenvorurteile gegenüber Indianern vielmehr eine Satire auf das im Western häufig proklamierte Bild des »primitiven Wilden«.

Die Geschichte wird zwar ausschließlich aus Sicht der weißen Siedler erzählt, aber gerade sie sind es, die als eigentliche »Primitive« die Sympathie des Zuschauers verlieren: Beschimpfen sie in einem Moment die Indianer als »stinkendes Rudel«, das mit Frauen wie Pferden handele, bieten sie im nächsten Augenblick eine Frau aus ihren Reihen im Tausch für Frieden an. Und an Hunger gestorbene Indianer werden gerne mit einem inbrünstigen Hallelujah bejubelt. Außerdem sind die Siedler stolz auf ihre Fähigkeit, Indianer riechen zu können- eine doch recht animalische Fähigkeit. Huston arbeitet mit einer große Zahl von Panoramaeinstellungen, die den Menschen winzig klein in einer weiten Landschaft zeigen. Dadurch spiegelt er die Einsamkeit der Siedler wieder. Ihr Rassismus erscheint als Mittel, um ihre Anwesenheit hier zu legitimieren und in dieser Weite ihre Identität zu bewahren.

Neben dem Rassenhaß geht es auch um das aus der griechischen Tragödie hinlänglich bekannte Thema des Inzests. Rachels Bruder Ben (Burt Lancaster) liebt seine Schwester. Diese Liebe lebt er allerdings zunächst nur als besorgter große Bruder aus, der Rachel vor anderen Männern fernhält und jeden Heiratsantrag ablehnt. Als sich dann herausstellt, daß Rachel nicht seine leibliche Schwester ist, sondern eine Indianerin, verteidigt er sie gegenüber den rassistischen Siedlern und gesteht ihr seine Liebe. Die Herkunftsfrage Rachels löst so einerseits zwar die rassistischen Konflikte aus, kann aber andererseits die Tragödie des Inzests gerade noch abwenden.

In Denen man nicht vergibt sind alle Elemente enthalten, die Westernfans suchen. Kabale und Liebe, Konflikte zwischen Indianern und Siedlern, Rinderherden, Büffel, starke Polarisierung von Gut und Böse und die entscheidende Schlacht zwischen Indianern und Weißen am Ende des Films. Das besondere dieser Schlacht ist, daß sie auf mehreren Ebenen ausgetragen wird. Mit Kugeln und Feuer, aber auch mit Klaviermusik im Freien wird gegen die Indianer angetreten. 1970-01-01 01:00
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