Musik im Rampenlicht
Von Christine Prinzing
Wie jedes Jahr spielte beim »International Film Festival« in Ghent, Ende Oktober, die Filmmusik eine herausragende und außergewöhnliche Rolle. Gegründet wurde das Festival 2001, unter anderem auch, um die Bedeutung der Musik im Film hervorzuheben, sowie die Filmmusikkomponisten zu ehren und ins Rampenlicht zu rücken.
Neben vielen Konzerten fand als Höhepunkt hierzu die Verleihung der World Soundtrack Awards statt und das Festival hatte auf der Gästeliste das Who is Who der internationalen Filmmusik geladen. Drei der Herren des Musikolymps trafen sich dann auch vor der Verleihung zu einem Gespräch und standen der Presse Rede und Antwort. Das Gespräch war ausgelassen, informativ und ein Fest für jeden Insider der Filmbranche. Die beschwingte Laune im Pressezimmer war ansteckend und aus einer Stunde wurden dann doch locker ganze zwei.
Der Austausch kleiner Anekdoten häuften sich zwischen dem »Trio der guten Laune«, bestehend aus Hans Zimmer, Elliot Goldenthal und Abel Korzeniowski, und waren ein Hochgenuß. Wann erfährt man schließlich wie Regisseur Christopher Nolan oder Madonna Ihre Melodien suchen und finden? Auf dem Sofa, beim Joggen? Der Trend, so waren sich alle drei einig, ginge mehr und mehr zu Handy und Skype und der persönliche Kontakt schmelze leider in den Cyperspace. Wehmütig wurde den gemütlichen Plätzen und Sofaecken im Musikzimmer gedacht. Fazit: es geht nichts über den persönlichen Kontakt und Einstimmung einer gemeinsamen Aura beim Suchen und Finden des Scores. Mit diesem Ausklang fand man bereits den Einklang zum Abschlußkonzert.
Der World Soundtrack Lifetime Achievement Award ging dieses Jahr an Giorgio Moroder, der mit seinen Discobeats in den 1980er Jahren nicht nur das
Flashdance-Fieber zum Lodern brachte. Aber seinen größten kommerziellen Erfolg hatte Moroder 1983 mit
Flashdance – zwei Nummer-1-Single-Auskopplungen und ein Soundtrack, der sich mehr als zehn Millionen Mal verkaufte. Ein weiterer großer Erfolg des dreifachen Oscargewinners in seiner Musikkarriere war die barocke Musik zu Brian de Palmas Meisterwerk
Scarface, einem »Epos auf Koks«. Moroder gilt mit seinem Mut als Pionier einer neuen Kultur des Zapping, Mixing und Sampling in der Filmmusik. Die Oscar-Preisträger Elliot Goldenthal, Howard Shore und Hans Zimmer – dem Festival seit Jahren verbunden – waren die Ehrengäste der diesjährigen Verleihung der World Soundtrack Awards. Als bester Filmkomponist wurde dieses Jahr Alexandre Desplat mit dem World Soundtrack Award ausgezeichnet, Hans Zimmer erhielt die Auszeichnung für den Best Original Film Score für
Inception.
Traditionell üblich, gebührte ein Teil des Konzerts dem Gewinner des Vorjahres: Abel Korzeniowski spielte seine Musik zu
A Single Man, für die er 2010 sowohl als »Entdeckung des Jahres«, als auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Hans Zimmer schloß die Veranstaltung mit einem
Inception-Spektakel der Superlative und bot auf der Bühne eine Musikpräsentation mit zusätzlichen Musikern, Tonmaschinen und Verstärkern, daß einem die Gänsehaut nur so rauf und runter prickelte. Ein Hörgenuß, der nicht nur die Welten in
Inception zum Wackeln brachte. Der Saal bebte und der Applaus und die Standing Ovations fanden kein Ende, sondern eher ein Echo zum Universum der Filmmusik.
2011-11-07 20:20