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Fantasy Filmfest 2010

24. Fantasy Filmfest. D 2010. L: Stefan Joachim.
Berlin, 17. – 25.8.10
01

Käfigexistenzen

Von Stefan Höltgen In den kommenden neun Tagen berichte ich an dieser Stelle von einem Teil der Filme, die es auf dem diesjährigen Fantasy-Filmfest in Berlin zu sehen gibt. Man hat sich als Dauerkartenbesitzer ja stets zu entscheiden, welchen von zwei zeitgleich laufenden Filmen man anschaut; eine Entscheidung, die nicht immer leicht fällt. Am Eröffnungstag ist dies jedoch noch unproblematisch, denn da werden nur zwei Filme gezeigt.

Der »Opener«, die französisch-belgische Koproduktion The Pack (La meute, F/B 2010, Franck Richard) war gleich ein voller Erfolg – allerdings auch nicht unumstritten, wie schon der Eröffnungsfilm des letzten Jahres (Carriers). Der Regisseur, der zwar anwesend sein wollte aber nicht konnte, schickte eine Grußbotschaft, in welcher er den Hintergrund seines Films erläuterte: Fort von dem realistischen und brutalen französischen Horrorstoffen der jüngeren Vergangenheit zu wieder eher fantastischen Motiven lautet das Programm für La meute. Und in der Tat kombiniert Richard hier Bildästhetik und Erzählverfahren beider Subgenres.

The Pack erzählt von einer jungen Frau, die durch die französische Einöde fährt – die Bilder erinnern vom ersten Moment bereits an ähnlich unangenehme Beiträge wie den belgischen Calvaire – und dabei einen Anhalter mitnimmt, mit dem sie in Schwierigkeiten gerät: In der Kneipe eines seltsamen Kaffs verschwindet der Mann beim Toilettengang. Die junge Frau sucht ihn und muß die unangenehme Erfahrung machen, daß das Etablissement seine Ausschanklizenz großzügiger auslegt, als es für die Gäste gesund ist.

Der Film erfüllt diese Vorstellungen zum Glück nicht, sondern bricht anstelle dessen die eingangs erwähnten Genre-Versatzstücke bzw. spiegelt sie aneinander. Dazu bedient er sich nicht nur gekonnter Montagetricks (etwa in einer Rückblende in der Mitte des Films), sondern vor allem auch offener und verklausulierter Erzählstränge. Was sich wirklich zuträgt – so muß man als Zuschauer letztendlich erkennen – bleibt ein Geheimnis.

Ganz ungeheimnisvoll erschein hingegen der zweite Film des Abends: Solomon Kane von Michael J. Basset, dessen Debüt-Film Deathwatch die stilistischen Ingredienzien »Matsch und Blut« für das jüngste Werk vorgelegt haben könnte. Solomon Kane basiert allerdings auf dem 1928 entstandenen, gleichnamigen Stoff des Conan-Autors Robert E. Howard und ist dem Schwarzenegger-Film daher nicht unähnlich. Angesiedelt ist die Geschichte des Titelhelden im 17. Jahrhundert in England: Dort tritt Solomon zunächst als blutrünstiger Söldner auf, begegnet dann dem Leibhaftigen und schwört daraufhin der Gewalt ab, ihr dann später jedoch wieder zu, als die Tochter einer befreundeten Familie entführt wird.

Das Bild der noch jungen Neuzeit, das der Film hier transportiert, ähnelt eher dem ebenso falschen Bild des Mittelalters, das in ähnlichen Fantasy-Stoffen feilgeboten wird: alles ist düster, voller Hexen und Dämonen und ein Leben ist so gut wie nichts wert. Daß sich auf derartig schlammig-blutigem Boden schnell Amoral, überkommene Familienwerte und zweifelhafte Ideologien breitmachen, ist für einen Film dieses Genres schon fast selbstverständlich. Solomon Kane lädt daher – wie schon dereinst Conan – zur fröhlichen Regression ein. Demnächst auch in ihrem Kino. 2010-08-18 11:45

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