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Filmfest München 2010

28. Filmfest München. D 2010. L: Andreas Ströhl.
München, 25.6. – 3.7.09
Bong Joon-ho auf dem Filmfest München (Foto: Bernhard Schmidt, © Filmfest München)

Kino für alle!

Von Constanze Frowein Sich in der Masse von über 200 Filmen aus insgesamt 42 Ländern auf dem Filmfest München 2010 einen Überblick zu verschaffen bedarf einiger Geduld, eröffnet dem Festival aber die Möglichkeit, das Faszinosum Film einem breiten Publikum näherzubringen. So präsentiert sich das zweitgrößte Filmfest Deutschlands 2010 mit insgesamt 17 Reihen bzw. Themenschwerpunkten wie American Independents, der immer wieder starken Fernost-Reihe, dem Kinderfilmfest und etlichen frei zugänglichen Veranstaltungen vor allem als Publikumsfestival. Beispielsweise mit dem alljährlich kostenlosen Open Air Kino erleichtert es die Entscheidung gegen den Biergarten und für eine Filmnacht unter dem sommerlichen Münchner Nachthimmel im Innenhof des Gasteig, der als Festivalzentrum dient. In diesem Jahr widmete sich das Freiluftkino dem Themenschwerpunkt »Sein« mit cineastischen Klassikern wie Sein oder Nichtsein oder Being John Malkovich.

Den Aspekt Publikumsfreundlichkeit beweist das Filmfest durchaus mit frei zugänglichen Diskussionsrunden der Filmschaffenden selbst. Das Publikum kann hier täglich Regisseure und Schauspieler zu ihrem filmischen Werk, das auf dem Filmfest zu sehen ist, befragen. So bot das Publikumsgespräch mit dem diesjährigen Cine Merit-Preisträger Mads Mikkelsen (auch der iranische Filmemacher Abbas Kiarostami erhielt den Cine Merit Award) einen besonderen Höhepunkt. Nähe zum Publikum bewies Mikkelsen, als er dieses aufforderte, das Gespräch mit eigenen Fragen selbst zu gestalten, statt dem Moderator den Vorrang zu lassen. Erstmalig öffnete das Filmfest 2010 jeden Abend die ursprünglich ausschließlich als VIP-Bereich gedachte Lounge, um dem Publikum dort zumindest die Gelegenheit zu bieten, mit Filmemachern und Branchenprofis zu diskutieren.

Zwar konnte das Filmfest neben Münchner Konkurrenzveranstaltungen wie »Tollwood«, »Oper für alle« und natürlich der Fußball-Weltmeisterschaft den letztjährigen Rekord von rund 73.500 verkauften Kinokarten nicht erreichen, doch nächstes Jahr heißt es wieder: O'filmt is! 2011 wird das seit 1983 bestehende Festival vom 24. Juni bis 2. Juli 2011 gefeiert. Dann wäre es an Landeshauptstadt und Filmfest, das Großereignis verstärkt im Treiben der Innenstadt zu vergegenwärtigen, um auch Münchner Nicht-Cineasten bei sommerlichen Biergartentemperaturen mit der Perspektive des kühlen Kinosaals und faszinierenden Filmen, den Verlust des WM-Fiebers im Vorjahr verschmerzen zu lassen und womöglich für filmische Themen zu begeistern.

Nur ein Film sei als herausstechendes Beispiel an dieser Stelle genannt: Mother, der nunmehr sechste Spielfilm des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, wurde mit dem 50.000 € dotierten Arri-Zeiss Preis ausgezeichnet. Der Film zeichnet in einer in sich geschlossenen Geschichte eine abgeschottete Mutter-Sohn-Beziehung und die Idee einer wahnhaften, bis zum bitteren Ende bedingungslosen Mutterliebe. Schon sein Debüt Barking Dogs Never Bite zeigte Regisseur Bong Joon-ho auf dem Filmfest München 2001, damals noch unter der Leitung von Eberhard Hauff, dem Bruder des Regisseurs Reinhard Hauff. 2010-07-08 19:15
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