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Around the World in 14 Films 2009

4. Around the World in 14 Films – Das Berliner Independent Filmfestival im Babylon. D 2009. L: Bernhard Karl.
Berlin, 27.11. – 5.12.09

Wenn, dann wohl hier

Von Tina Hedwig Kaiser Dieses Jahr fand es bereits zum vierten Mal statt, und man darf sich schon auf die nächste Weltumrundung 2010 freuen: das »Around the World in 14 Films«-Festival im Berliner Filmkunsthaus Babylon unter der Leitung seines allzeit begeisterten Machers Bernhard Karl. Diesmal gab es tatkräftige Unterstützung vom Auswärtigen Amt, und so konnten quer über den Globus verteilt Filmemacher eingeladen werden, die ihre Werke persönlich präsentierten. Zumal sich die Idee mit den deutschen Filmpaten zusätzlich mehr als bewährt hat. Schön zeigte sich dies bei der Einführung zu Abbas Kiarostamis Geniestreich Shirin: Franz Müller führt in Kiarostamis Werk ein, und Patrick Khatami erzählt anschließend das persische Epos, um welchen der Film kreist. Der Grund: Einfach nur, damit das Publikum nicht so sehr von den Untertiteln abgelenkt wird und sich ganz auf die Bilder konzentrieren kann. Was will man mehr? Ein Traum.

Zumal sich Kiarostami wirklich viel getraut hat. Das Nationalepos um die Liebe einer armenischen Prinzessin namens Shirin wird während des gesamten Films nur über den Ton zu erleben sein, während die Kamera einzig die Gesichter der Frauen zeigt, welche den zum Ton gehörigen Film in einem Kino schauen. Alles, was also passiert, ist allein den Reaktionen der Gesichter der vielen Frauen abzulesen. Ein revolutionäres und hochpoetisches Werk, das hier erstmals die deutsche Kinoleinwand erblicken konnte.

Ein weiterer Höhepunkt, passend zur Jahreszeit, sowie »der beste spanische Film seit 30 Jahren« (O-Ton des Regisseurs) war Birdsong von Albert Serra. Wobei man dazu sagen kann, daß Serras Erstling Honor de Cavalleria vermutlich genauso sehr der beste spanische Film seit 30 Jahren ist. Bzw. nach Carlos Sauras La Caza und Cria Cuervos. Serras Humor rettet dabei seine kargen und dennoch wunderbaren Szenarien über weite Teile. Strolchen im Erstling noch Don Quichotte und Sancho Pansa durch die spanische Mancha, so tun es hier die Heiligen Drei Könige in einer steinigen Wüstenei. Es passiert definitiv nicht viel, aber dennoch kann man es nicht lassen, Serras Protagonisten, allesamt Laien, mit einer großen Faszination zu folgen. Sie stehen, sie wissen nicht wohin, sie liegen auf der Erde, sie waten im schlammigen Wasser. Und nichts weiter. Die Gesichtsausdrücke, die wenige Worte, die Gesten – selten gibt es so aufmerksame und wahre Kinobilder zu sehen. So müssen sie wohl gewesen sein, die heiligen Drei – zumindest bevor es die Bibel gab. Passend zum Film lief dann auch noch Waiting for Sancho, ein Dokuessay über die Dreharbeiten, in der Mark Peranson, der kanadische Cinemascope-Gründer und Filmkritiker, Serras unkonventionelle Art bei den Dreharbeiten begleitet.

Neben vielen anderen tollen Filmen wie West of Pluto von Henry Bernadet und Myriam Verreault, Dogtooth von Yorgos Lanthimos und Parque Via von Enrique Rivero stach vor allem noch der australische Beitrag Samson and Delilah von Warwick Thornton heraus. Der Regisseur, selbst ein Aborigine, zeigt dabei die wortlose Freundschaft zweier jugendlicher Aborigines, die versuchen, mit der Welt jenseits des Wüsten-Reservats klarzukommen. Am Abschlußabend gewann er dafür den Filmpreis des Instituts für Auslandsbeziehungen. Wenn, dann wohl hier. 2009-12-08 15:48
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