Unlimited 2009

Europäisches Kurzfilmfestival Köln UNLIMITED #3. D 2009. L: Marita Quaas. Köln, 18. – 23.11.09
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Wettbewerb der Grenzen

Von Matthias Wannhoff Ein Festival, das die Grenzüberschreitung bereits im Titel trägt, hat sein Versprechen spätestens in der europäischen Sektion einzulösen. Daß es hierbei mit der vielbeschworenen Multikulturalität nicht getan ist, muß auch den Machern des »Unlimited« klar gewesen sein, die bei ihrer Filmauswahl für den diesjährigen Europa-Wettbewerb auf mehreren Ebenen Mut zur Dispersion bewiesen: technisch wie geographisch, genretechnisch wie qualitativ. So spannte das Programm mit seinen 40 Kurzfilmen aus 20 Ländern – insgesamt lagen dem Festivalteam rund 1.500 Einreichungen vor – einen Bogen vom Dokumentar- zum Animationsfilm, von Hochglanzoptik zu Wackelkamera, vom Politdrama zur Burleske. Die beliebte Rede von der »Einheit durch Vielfalt« erwies sich damit, angewandt auf das Kölner Festival, einmal mehr als – durchaus produktiver – Trugschluß.

Es waren gleich mehrere Beiträge, die einen Widerspruch zum Titel des Festivals bildeten, indem sie die binneneuropäischen Grenzen nicht verwischten, sondern geradezu betonten: In der deutschen Produktion Fliegen etwa, mit der das europäische Programm eröffnet wurde, findet der kriminelle Dima – großartig gespielt von Jacob Matschenz – in Deutschland seine große Liebe; doch überschattet wird das junge Glück nicht bloß durch einen allzu präsenten Ex-Mann, sondern vor allem durch die drohende Abschiebung des jungen Exilrussen in seine Heimat. Dimas finaler Gewaltausbruch gilt folglich sowohl seinem verhaßten Konkurrenten als auch den geographischen Grenzziehungen, deren brutale Realität ein Gefühl wie Eifersucht zur Trivialität schrumpfen läßt. Die punktuell eingestreute Situationskomik in Piotr J. Lewandowskis Film schwächt die Brisanz der Thematik indes nicht ab, sondern läßt das jähe Ende, das die Liaison der beiden Liebenden natürlich nehmen muß, umso bitterer erscheinen. Im Gegensatz dazu verzichtet der albanische Beitrag Busulla von Bujar Alimani auf jegliche humoreske Brechung und erzählt in kargen Bildern von einer Familie, die in Nord-Albanien aus Angst vor einer Blutrache ein Leben in Armut und Isolation führt. Die stumme Hoffnung auf einen Neuanfang in Italien bleibt hierbei ein sehnsüchtiges Desiderat nach wortwörtlicher Grenzüberschreitung. Der österreichische Film Gracia (Border) schließlich nimmt das Motiv der Grenze direkt in seinen Titel auf und liefert eine schwindelerregende Tour de Force durch zerbombtes Gemäuer, welches seinerseits während des Kroatienkrieges serbisch und kroatisch bewohntes Gebiet voneinander trennte. Die politische Dimension verschwindet hier jedoch hinter bloßer visueller Spielerei.

Wesentlich überzeugender dagegen die Beiträge, die ihren Reiz ebenfalls aus einer ungewöhnlichen Optik ziehen, den Anschluß an die gesellschaftliche Realität jedoch gar nicht erst versuchen. Der italienische Animationsfilm Muto etwa reiht im Stop-Motion-Verfahren Graffito an Graffito und erschafft dadurch eine atemberaubende Ästhetik, bei der sich Bild und Sound paßgenau ineinander verschränken. Die von den deutschen Designstudenten Robert Pohle und Martin Hentze produzierte Animation Der Conny ihr Pony, eine Art verfilmte Slam Poetry, wurde vom Publikum nicht nur mit beherztem Lachen, sondern auch mit einem der lautesten Applause des Wettbewerbs bedacht. Auch dadurch, daß die Festivalgänger den französischen Beitrag Skhizein zum Gewinner wählten, honorierten sie das Eigenwillige und Humoreske: Jeremy Clapins Animationsfilm basiert auf der Idee, daß ein Mann, nachdem er von einem Meteoriten getroffen wurde, 91 Zentimeter neben sich leben muß. Wie von Geisterhand bewegte Stühle und scheinbar ferngesteuerte Türen sind die höchst phantasievollen Folgen dieses Unfalls. Im zauberhaften La Copie de Coralie aus Frankreich schließlich fallen beinahe alle erdenklichen Ebenen zusammen: Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Illusion, Wort und Musik. Das Versprechen der Grenzüberschreitung mag hochgegriffen sein, mit der Berücksichtigung dieses magischen Zwanzigminüters haben es die Festivalmacher allemal einlösen können. 2009-11-24 12:47

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