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Flanders International Film Festival 2009

36. Internationaal Film Festival van Vlaanderen Gent. B 2009. L: Jacques Dubrulle.
Gent, 6. – 17.10.09
Marvin Hamlisch erhält den Lifetime Achievement Award

Großes Kino für die Ohren

Verleihung des 9. World Soundtrack Award in Ghent

Von Christine Prinzing Das Ambiente für das 36. Ghenter Filmfest hätte nicht passender sein können: In dem verträumten und pittoresken Städtchen Ghent spielte nicht nur die Straßenmusik mit Harfe und Klampfe hoch auf, nein, auch auf dem Festival standen die Klangwelten im Mittelpunkt. Ghent – in der Musikszene sowieso bekannt für exzellente Jazz- und Klassikfestivals – bot Cineasten und Filmmusikern zehn Tage lang eine optimale Plattform für ein facettenreiches Programm mit über 200 Filmen aus aller Welt, mit Konzerten, Workshops, Gesprächen und Ehrungen rund um die Filmmusik.

Ebenfalls ein Schwerpunkt des diesjährigen Festivalprogramms: der Blick nach Fernost. »Asien ist in voller Expansion, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell«, kommentierte der Festivalleiter Jacques Dubrulle. So waren viele Filmschaffende aus Asien geladen, und auch der Filmkomponist Shigeru Umebayashi gab sich die Ehre – mit einem Konzert und einem Workshop.
Erstmals live mit Orchester und eingespielten Filmszenen wurden seine Kompositionen aufgeführt, darunter auch die Musik aus Wong Kar-wais Filmen In the Mood for Love und 2046. Ein Erlebnis, das das Publikum verzauberte.

Neben der Topelite aus Filmmusik und Soundtechnik waren auch Weltstars wie der Schauspieler Kevin Costner zu Besuch, der hier sein musikalisches Talent in den Vordergrund stellte. Costner kam ohne Film, dafür mit Gitarre und seiner Band »Modern West«. Der Saal platzte aus allen Nähten, und bis zum letzten Takt rockten die Zuschauer begeistert mit.

Die Prominentendichte ließ bis zum Schluß des Festivals nicht nach. Der Schauspieler Andy Garcia setzte den harmonischen Schlußakkord. Am letzten Tag der Veranstaltung hatte er seinen ersten selbst produzierten Film City Island im Gepäck. Ein bittersüßes und unterhaltsames Familiendrama, in dem er selbst die Hauptrolle spielt: einen Mann, der um seine Lebensträume kämpft. Der Film brachte das Publikum sowohl zum Lachen als auch zum Nachsinnen.

Ein weiteres Filmjuwel des Festivals war ein Projekt aus Israel: Eyes Wide Open von Haim Tabakman. Der Film fiel bereits international und auf dem Festival in Cannes ins Auge – in Ghent bekam er nun die wohl verdiente Auszeichnung für den Besten Film 2009. Die Jury befand ihn als
»ehrliche, fesselnde meisterlich und menschlich erzählte Geschichte einer verbotenen Beziehung«. Das Thema: die Liebe zwischen zwei Männern im orthodox-jüdischen Milieu von Jerusalem. Eine sensible Arbeit, die vom Druck durch Familie und Gesellschaft handelt und von den Brüchen mit Konventionen. Haim Tabakman schaffte es, sensibel eine tabubrechende Geschichte zu schildern, deren Kraft in großen Bildern und in inszenatorischer Zurückhaltung liegt.

Höhepunkt des Festivals war aber die Verleihung des 9. World Soundtrack Awards. In einem wundervollen Ambiente, einem gotischen Kirchensaal eines ehemaligen Hospitals, fand die Feierlichkeit statt. Als bester Filmkomponist 2009 prämierte die Jury Alexandre Desplat, bekannt durch seine Kompositionen für Cheri, Benjamin Button oder Das Mädchen mit dem Perlenohrring.
Der Preis für den besten »Original Song« ging an den indischen Kultkomponisten A. R. Rahman für »Jai Ho« aus dem oscargekrönten Soundtrack von Slumdog Millionär. Und zu guter Letzt erhielt der dreifache Oscarpreisträger Marvin Hamlisch den Lifetime Achievement Award – und natürlich Standing Ovations.

Bis zur letzten Minute erinnerte die Atmosphäre des Festivals an ein familiäres »Get Together« von Musikliebhabern und Musikschaffenden. Ghent war und ist ein Pflichttermin für alle, die sich mit Filmmusik beschäftigen. Ein Geheimtipp auch für 2010. 2009-10-30 12:18
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