05
Zur Integrität der Kamera
Dialog mit einem Film: Avi Mograbi im Gespräch mit D’Est
Von Sarah Sander
Schon bei der Eröffnung der Jubiläums-Retrospektive hatte Birgit Kohler das Prinzip erklärt: Um der Unmöglichkeit zu entgehen, eine vermeintlich repräsentative Auswahl seiner Festivalperlen zu zeigen, hatte das Forum dreizehn ihm verbundene Regisseure gebeten, aus einer Liste von Hunderten von Forumsfilmen ihre Lieblinge auszuwählen – und so das Jubiläumsprogramm zu kuratieren. Die entstandenen Korrespondenzen zwischen den präsentierenden Filmemachern und den präsentierten Filmen sind schon für sich interessant (warum wohl hat Ulrich Köhler gerade Helke Sanders
Die Allseitig reduzierte
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04
Eloquenz der Bilder
Aki Kaurismäkis Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
Von Friederike Horstmann
Lärmend ratternde Maschinen schälen Baumstämme, stifteln Holz zu Stäbchen, imprägnieren sie mit Schwefel. Am Ende des Verarbeitungsprozesses steht ein Mädchen im hellgrauen Kittel. Starr und stumm prüft sie Etikette auf den Streichholzschachteln. Nach der Arbeit kocht, putzt, bügelt sie – während ihre Eltern schweigend vor dem Fernseher sitzen und rauchen. Asche hängt immer so an ihren Kippen, das sie kurz davor ist, herunterzufallen. Die Eltern, kapitalistische Krämerseelen, lassen sich den erwirtschafteten Lohn des Mädchens auszahlen, stellen den Wodka unter den Tisch, wenn sie
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03
Der blinde Fleck: West-Berlin
Helke Sanders Die Allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers
Von Julian Bauer
»Die Mauer muß weg!« Doch die Kamera fährt sie trotz jener Inschrift ab. Sie fährt auf einer geraden Straße und schaut aus dem Fenster eines Volkswagenbusses auf die Berliner Mauer, welche unvermittelt abbiegt. Wo sie aufhört, beginnt die Stadt. So bekommen wir plötzlich ein ganze Zeile verbröckelter Häuserfassaden zu sehen. Sie sind grau, heruntergekommen, plakatiert. Der Bus spiegelt sich in Ladenfenstern. Ein Helikopter schraubt sich aus dem Off ans Ohr, vermengt sich mit der Collage von in Berlin empfangbaren Radiosendern und ihren Sendungen. AFN, SFB oder GDR senden über den Äther.
Die
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02
Unter offener Fontanelle
George Washington von David Gordon Green
Von Elena Meilicke
George ist ein seltsamer Junge; seine Fontanelle, so berichtet die Erzählerin aus dem Off, hat sich nach der Geburt nicht geschlossen, sein Kopf ist so weich und empfindlich wie der eines Säuglings. Deshalb darf George nicht ins Wasser, und er trägt einen blauen Helm, wie ihn Football-Spieler haben, um den Kopf vor Erschütterungen zu schützen.
Doch ist die Umgebung, in der George lebt, alles andere als watteweich. David Gordon Greens Debütfilm spielt in einem postindustriellen Wasteland, in irgendeiner Stadt im amerikanischen Süden, in der die Läden verrammelt sind und sich der Müll
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01
Körperfilm
Kasaba von Nuri Bilge Ceylan
Von Rebekka Hufendiek
In Ceylans Film
Kasaba (Türkei 1998), sagt Jia Zhangke, kann man die Geschichte mit dem Körper spüren. Der chinesische Regisseur hat wie Nuri Bilge Ceylan 1998 seinen ersten Spielfilm im Internationalen Forum des jungen Films auf der Berlinale gezeigt und präsentiert diesen nun bei der Jubiläumsveranstaltung »Dialoge mit Filmen«, mit der das Forum seinen 40. Geburtstag im Berliner Arsenal feiert.
Ceylan porträtiert eine Familie über drei Generationen in der türkischen Provinz. Während die Handlung einen Tagesablauf umfaßt, wechseln vom Morgen bis zum Abend die Jahreszeiten. Die
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