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Festival de Cannes 2009

62. Festival de Cannes. F 2009. L: Gilles Jacob, Thierry Frémaux.
Cannes, 13. – 24.5.09
05

Schöne Kulissen und das Scheitern von Erfolgsmustern

Der Cannes-Wettbewerb

Von Dieter Wieczorek
Wie bereits 2008 hatte sich auch dieses Jahr in Cannes weder bei Fachpresse noch Publikum ein wirklicher Favorit für die Goldene Palme herauskristallisiert, bis sie nun an Michael Hanekes Das weiße Band verliehen wurde. Bekanntes und Bewährtes sind halt nicht die Formeln, die in einem Weltfestival zu bezaubern vermögen. Natürlich wird man etwa Ken Loach, der diesmal überraschend humorvoll in Pubs und heruntergekommene Wohnzimmer der britischen Arbeiterschicht eintaucht, nicht den Vorwurf eines verfehlten Films machen können. Zu gekonnt bringt er wiederum Charaktere und Schauplätze auf ……


04

Der deutsche Kurzfilm in Cannes

Von Dieter Wieczorek
Auch die deutsche Kurzfilmproduktion nutzt Cannes, um ausgewählte Arbeiten des letzten Jahres unter dem Titel »Next Generation« inmitten der Hauptspielorte zu präsentieren.

Besondere Beachtung darf Evi Goldbrunners und Joachim Dollhopfs Werk I Don’t Feel Like Dancing beanspruchen. In eine nicht näher bestimmte Kriegslandschaft folgen betrunkene Soldaten einer jungen Frau, um sie mit Geld und Gewalt zum Sex zu zwingen. Ihre Brutalität findet ein plötzliches Ende, als sie auf die Beinattrappe ihres Opfers stoßen. Diese plötzliche Konfrontation mit der eigenen Barbarei, dieser Augenblick ……


03

Sprachlose Paare oder der Abgrund der Unkommunizierbarkeit

Von Dieter Wieczorek
Auch Cannes vermeidet es ungern, zumindest einen Film schon im Vorfeld unter den Insignien des Skandals zu präsentieren. Nachteil dieser Strategie ist, daß die aufgeheizte Emotionalität einen klaren Blick auf das Werk nicht gerade fördert. Lars von Triers Werk Antichrist ist – dies muß sogleich erwähnt sein – weder Sex- noch Horrorfilm, da alle seine szenischen Tableaux, die isoliert unter derartigen Kategorien subsumierbar wären, gleich auf mehrfache Weise kontextualisiert und gebrochen werden. Selbst scharfe Ablehner würdigen zumindest die Eingangssequenzen dieses Werkes, in hochästhetischem ……


02

Rückkehr zu den Fatalitäten

Von Dieter Wieczorek
Vor allem mit zwei durch sozialkritische Beobachtungen überzeugende Filme läuft Cannes zur alten Form auf. Wem »Rosetta«, diese junge, ständig unter Strom stehende und gegen alle Unterordnung rebellierende Frau des gleichnamigen Filmes der Dardenne-Brüder bis heute in Erinnerung geblieben ist, der wird auch die Hauptfigur Mia von Andrea Arnolds im Wettbewerb laufendem Werk Fish Tank so schnell nicht vergessen können: eine 15jährige verhärtete Außenseiterin, vernächlässigt von ihrer egomanischen Mutter, ohne Liebschaften und Freunde, mit Ausnahme eines geschundenen Pferdes, dem sie ……


01

Jenseits der Schönheit des Realen

Cannes eröffnet erstmals mit Animation

Von Dieter Wieczorek
Wenn das Weltfestival Cannes in diesem Jahr dem Animationsfilm die Ehre gibt, das Festival zu eröffnen, mag dies die betroffenen Branchenmitglieder erfreuen, als kulturelles Phänomen ist es aber wohl ein kurzes Einhalten und Reflektieren wert. Der unübersehbare Erfolg animierter Bilderwelten auf Computerschirmen und Kinoleinwänden verweist auf ein zunehmendes Sich-Begnügen mit perfektionierten, von Zufälligkeiten gesäuberten virtuellen Welten. Anthropologisch zeichnet sich menschliche Existenz darin aus, in ein letztlich unkontrollierbares und seine Erfassungskapazität durch Komplexität ……

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