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Leises Servus
Von Christian Lailach
Ein flaues Gefühl überkommt dich und uns zum Abschluß dieses Jahres in Linz. Doch das ist häufig so. Dann, wenn das Karussell im Kopf endlich rund läuft, naht das Ende. Der Nullneun wird es heuer ähnlich ergehen, nur kommt die Kulturhauptstadt so schnell nicht wieder. Und trotzdem ist da noch irgendetwas. Was, das wird der Abend zeigen. Die Preisverleihung naht, und die letzten Filme sind dann gewöhnlich die mit den Fragezeichen, Chance für Außenseiter, manchmal auch Resümee. Nur keine zu großen Emotionen, bitte; so lassen wir uns darauf ein.
Lionel Baier geht im Tribut an den franko-schweizerischen Film mit
Garçon stupide Richtung Komplexität auf leichtem Niveau. Irgendwo zwischen Provokation, Exhibition und Fiktion sucht Loïc die Grenzen des schwulen Schablonendaseins. Es ist das direkte, ganz und gar nicht verkopfte Pendant zu Krügers
Rückenwind, der heuer im Wettbewerb lief. Während Loïc im Wörterbuch den Impressionismus nachschlägt, versucht es Krüger mit allegorischem Naturalismus und verirrt sich immer tiefer im Wald. Janek Romero hingegen bringt seine
Superhelden im Panorama in Bedrängnis. Die Hamburger Aktivisten, die Feinkost aus Läden schickerer Couleur an das Prekariat verteilen, dokumentiert er verhalten subjektiv und stolpert über seine eigene Unsicherheit. Jonathan Le Fourn und Andrei Schtakleff begleiten mit
L’Exil et le Royaume die Alten durch ihre sterbende Hafenstadt, die Zivilcourage auf der Suche nach Illegalen. Da im Grunde nichts passiert, der Projektor einfach läuft, wird die Dramatik an der Nordküste Frankreichs erst in der späteren Rückbesinnung greifbar.
»Crossing Europe« scheut auch im sechsten Jahr nicht das politische Terrain. Was die Frage aufwirft, ob die Globalisierung, die Interkulturalität Europas einen Standpunkt verlangen kann. Zumindest im Wettbewerb wird denn schon einmal einer klar: Mit Mahmut Fazil Coskuns religiöse Grenzen überschreitender Liebe in
Uzak ihtimal positioniert sich die Jury weltoffen und vermittelnd, wenngleich die lobende Erwähnung an Ruben Östlunds
De ofrivilliga (»Die Unfreiwilligen«) die unbequeme Klasse würdigt. Es scheint ein wenig erwachsener zu werden, das Filmfestival Linz. Vielleicht sind es auch nur die Last der Kulturhauptstadt und die Ungewißheit des Superwahljahrs, die diesen Eindruck vermitteln. Mit dem Publikumspreis an Alexis Dos Santos’
Unmade Beds scheren sich hingegen die Linzer weniger darum, in wessen Bett sie morgen aufwachen. Hauptsache, nicht zu blau!
2009-04-29 17:57