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Crossing Europe 2009

Crossing Europe Filmfestival Linz. A 2009. L: Christine Dollhofer.
Linz, 20. – 26.4.09
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Festival in Familie

Von Christian Lailach Nun ist's soweit! Seit Jahren bereitet sich Linz auf das große eine vor: Kulturhauptstadt Europas 2009! Da die Österreicher sich in Sachen Kultursponsoring bekanntlich nie lumpen lassen, wußte Christine Dollhofer schon letztes Jahr, daß ihr heuer ein Tag mehr zur Verfügung stehen wird. Dank »Linz09«, der Kulturhauptstadtmarke, gibt's eine volle Woche europäisches Kulturprogramm auf allen Kanälen. Wir fühlen uns wie früher als kleiner Bub zu Weihnachten. Geschenke für alle, jeder freut sich, auch wenn es schon wieder Socken gibt. So lassen wir uns in unserer Kindlichkeit treiben, im railjet, dem »high speed train of the Austrian railways«, gen Alpenpanorama; nebenan diskutiert ein älteres Wiener Ehepaar persönliche Gebrechen, Sonderangebote bei Lidl und die deutsche Bundestagswahl. »Die Merkel, die tritt fier d' CSU an.« Familiäre Internationalität aller Orten.

Wir kommen an in Linz. Nur, so richtig Hauptstadt scheint man hier nicht zu spielen. Keine Clowns, die einen umtanzen. Auch keine überdimensionalen Plastikfiguren auf der Einkaufsstraße. Also werden wir uns damit, sofern wir abseits des Festivals Zeit dafür finden, noch einmal eingehend beschäftigen müssen. Einzig die auf die Straßen gesprühten Marken nationalsozialistischer Verquickungen scheinen neu. Kennen wir im Grunde aber schon aus Köln, Berlin und anderen Städten. Außer München.

Zwischen Ankommen und Eröffnung liegen wir am Ufer der Donau in der Sonne. Mehr Menschen als in den letzten Jahren scheinen hier das Ufer zu bevölkern, liegen auf den Wiesen, spielen Ball. Wir blättern derweil durch das Programm. Neben den Wettbewerbsfilmen – allesamt, wie immer, Erst- oder Zweitlinge europäischer Regisseure – finden sich im »Panorama« Alle anderen oder 35 Rhums. Doch nicht nur mit den Klassikern wird Crossing Europe aufwarten. Da wäre noch die »Tribute« zu Lionel Baier und Ursula Meier, jungen Schweizer Filmemachern, einem »Panorama Special«, das sich sowohl dem Young Turkish Cinema als auch, in Kooperation mit dem Tromsø International Film Festival, dem norwegischen Filmschaffen widmet. Abgesehen von den »Arbeitswelten« und den »Local Artists«, die seit Jahren feste Bestandteile des Festivals sind.

Zu diesen heimatlichen Gedanken reiht sich Ursula Meiers Home als Eröffnungsfilm. Inspiriert von L'Arrivée d'un train en gare de La Ciotat und Die Vögel verliert sich Home in der Zerrissenheit einer Isabelle Huppert und deren Familie. Eine Autobahn in einer steppenähnlichen Kargheit, durchbrochen von einem einsamen Haus, ist der Anfang, der in totaler Isolation enden wird. Meier hingegen spielt das Thema nicht aus, sondern entzieht sich abrupt der allzu absehbaren Klärung. Was uns nicht unentspannt zur »Nightline« führt, wo uns Bekannte erwarten. So stehen wir hier, uns dessen bewusst, was Crossing Europe auch heuer wieder sein wird. Ein Festival, das sich das Familiäre gleich wie die Ausgewogenheit zur Profession gemacht hat und damit – wieder einmal – den europäischen Gedanken lebt, wie es selten ein anderes tut. 2009-04-21 10:44

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