07
Zarter Lärm
Exploding Girl von Bradley Rust Gray
Von Julian Bauer
Das Surren im Innern eines Autos. Kein Bild. Dafür Dunkel. Dann ein schlafendes Mädchen auf dem Rücksitz. Ihr ruhiges, entspanntes Gesicht liegt hinter der Fensterscheibe. An der ziehen Bäume vorüber, die zerfließen zu einer grünen Fläche. Zu dem feinen Motorsurren gesellt sich immer aufdringlicher ein Pfeifen.
Das ist der Epilog zu Exploding Girl. Ein Sommer, in dem kaum etwas passiert. Licht, Grün und Straßenstaub. Die Handlung des neuen Films von Bradley Rust Gray ist reduziert; ist zart. Der Vorspann komprimiert diesen Film voller Leerläufe. Voller Lautstärke.
New York, die Heimatstadt der jungen Studentin Ivy. Hier verbringt sie ihre Ferien. In den aus weiter Entfernung geschossenen Nahaufnahmen und Halbtotalen bleibt die Stadt weitestgehend verborgen. Doch ihr Lärm dringt an jedes Ohr, stört Telefonate, schlüpft in die Schlafzimmer der Wohnhäuser oder wabert in dumpfen Tönen über den Dächern der Stadt. Vermengt sich mit den Flügelschlägen der Tauben.
Als Ivy alles zuviel wird, fiept ein aufdringlich hoher Ton die Geräuschkulisse in den Hintergrund. Ivy bekommt einen ihrer epileptischen Anfälle. Al, ein alter Schulkamerad, kümmert sich um sie, während das Rauschen der Metropole langsam wieder zurückkehrt. Al ist Ivys Sommergefährte. Ihre Wege und Blicke streifen Hochhausdächer, Grünanlagen und Baustellen. Am Ende kommt es gar zu einer zarten Annäherung zwischen den beiden: Im Innern eines Autos, an vorüber ziehendem Grün. Der Motor brummt. Und plötzlich ist alles schwarz und still. Ein Moment der Ruhe. Die Geräusche der Stadt, des Films hallen noch nach, rauschen im Ohr in die Stille hinein, ehe der Abspann einsetzt.
2009-02-15 13:38