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22. Fantasy Filmfest

Köln
20. – 27.8.2008
05

Blood, Drugs & Rock’n’Roll

Von Nils Bothmann Wie bereits im Vorfeld angekündigt, mußte man am Sonntag leider auf die geplante Vorführung von Ghostbusters auf Blu-Ray verzichten, da das dazugehörige Videospiel derzeit keinen Publisher fand und die Marketing-Abteilung von daher auf derartige PR-Gags verzichtete. Stattdessen wurde eine weitere Vorführung des französischen Krimis Ca$h auf die Position gelegt. Außerdem wie jedes Jahr zu sehen: »Get Shorty«, das Kurzfilmprogramm des Fantasy Filmfestes; dieses Jahr sogar mit einem Beitrag von Lars von Trier. Unter anderem waren an diesem Tag noch der animierte, halb-dokumentarische Antikriegsfilm Waltz with Bashir, der deutsche Splatterfilm Virus Undead und das Die Wiege des Bösen-Remake It’s Alive zu sehen.

Als Centerpiece präsentierte das diesjährige Fantasy Filmfest den schwedischen Vampirfilm Let the Right One in, der wahrscheinlich unter dem nichtssagenden Titel So finster die Nacht im Dezember in die deutschen Kinos kommt. Irgendwo zwischen »Karlsson vom Dach« und Interview mit einem Vampir angesiedelt erzählt Let the Right One in die Geschichte eines zwölfjährigen Außenseiters, der sich mit einer Vampirin anfreundet, deren Körper zumindest das gleiche Alter wie seiner besitzt. Mit ruhigen Bildern in einem für Vampirfilme ungewohnten Setting wartet die schwedische Produktion auf, die auch bei heiklen Themen (u.a. die sexuellen Untertöne in der Beziehung der Kinder) stilsicher bleibt und nie in geschmacklose oder gefährliche Darstellungen abrutscht. Gleichzeitig bleibt der Film leider jedoch seltsam leer, vielleicht auch, weil das Vampir-, ähnlich wie das Werwolfgenre kaum Neues zu erzählen hat, vom etwas absonderlichen Stilbruch des Finales mal ganz zu schweigen.

Nach dieser nicht ganz so einfachen Kost folgte dann hingegen ein Beitrag, der beinahe dazu einlud, eine Bierflasche am Sitz des Vordermannes zu öffnen: Repo! The Genetic Opera. Mutet an wie eine Mixtur aus Sin City, Saw und der Rocky Horror Picture Show und ist ein Musical, das von Organhandel in der Zukunft berichtet. Sicherlich sehr abgedrehte und teilweise auch reichlich blutige Kost, doch wunderbar besetzt und mit tollen Musiknummern gespickt, die vor allem aus dem Bereich des Hardrock entstammen. Nichts für Fans des klassisch-harmlosen Musicals, aber ein extrem schräger Spaß, der beweist, daß moderne Filmmusicals ganz ungewöhnliche Wege gehen und trotzdem funktionieren können. Nach Werken wie Moulin Rouge!, Across the Universe oder Sweeney Todd erscheint Repo! als beinahe logischer Schritt in einer Kette und läßt nur eine Frage offen: Welche Experimente wird das Musicalgenre in den nächsten Jahren noch wagen? 2008-08-26 12:56

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