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22. Fantasy Filmfest

Köln
20. – 27.8.2008
01

Dimensionen der Körperlichkeit

Von Nils Bothmann Vor 22 Jahren wurde das erste Fantasy Filmfest in Hamburg abgehalten, damals noch als Vorführung alter Werke aus dem Bereich des phantastischen Films, derer die Veranstalter als Filmrolle habhaft werden konnten, unterbrochen von den Darbietungen verschiedener Punk-Bands. In den Jahren darauf expandierte das FFF, die Musikdarbietungen fielen komplett aus dem Programm, Verleiher boten neue Filme zur Erstvorführung an, und die Anzahl der Festivalstädte wuchs. 2008 läuft das Fantasy Filmfest in insgesamt acht Städten, namentlich Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Frankfurt, Stuttgart, München und Nürnberg.

Die diesjährige Kölner Ausgabe wartete direkt mit der Überraschung auf, daß die Ansage zum Eröffnungsfilm nicht von den gewohnten Gesichtern des Veranstalters Rosebud übernommen wurde – der Ersatzmann betonte, die beiden seien noch »in geheimer Mission für das Festival unterwegs« und würden dem FFF aber ab Donnerstag beiwohnen können. Trotz des Personalwechsels folgte die traditionelle Anmoderation mit Kommentaren zum Festivalprogramm, anschließend noch – wie bereits letztes Jahr – eine Knetanimation zum FFF, Trailer und den Kurzfilm Carlitopolis, ehe mit Eden Lake der Eröffnungsfilm die Leinwand zierte.

Nach der großartigen Noir-Komödie Kiss Kiss, Bang Bang 2005, und den Funsplatterfilmen Severance 2006 und Black Sheep 2007 ist der 2008er Eröffnungsfilm ein absolut ernstgemeinter Horrorthriller über ein junges Paar, das beim Ausflug an den titelgebenden Eden Lake in Konfrontationen mit Jugendlichen gerät, die immer ärgere Ausmaße annehmen. Das mit der Phrase »Eden Lake schaut man nicht, Eden Lake überlebt man« angekündigte Regiedebüt James Watkins' verzichtet auf ironische, postmoderne Brechungen und liefert Terrorkino der alten Schule. Die Geschichte mag nicht viel Neues bieten, doch inszenatorisch erreicht Eden Lake eine ungeahnte Körperlichkeit, welche die Empfindungen der Protagonisten fast fühlbar macht – gipfelnd in jener Szene, in welcher die Protagonistin bei ihrer Flucht in eine Eisenspitze tritt und diese mit einer improvisierten Selbstoperation aus ihrem Fuß entfernen muß. Eden Lake gibt sich weniger zeigefreudig als Hostel oder I Know Who Killed Me mit ihren Folterszenarien, wirkt jedoch deutlich intensiver in seiner Art. Durch das Szenario im englischen Hinterland und den Kontrast von Städtern und Dörflern erinnert Eden Lake in einigen Momenten sogar ein wenig an Sam Peckinpahs Straw Dogs.

Allerdings hielt der ernste Ton des Films einige verbohrte Festivalbesucher nicht davon ab, wie bei den Fun-Eröffnungsfilmen einige derbe Szenen mit Johlen und Szenenapplaus zu kommentieren – wie unpassend dies bei einem Film ist, der durchaus einen kritischen Blick auf Verrohung wirft, dürfte man sich vorstellen können. Hingegen passend zum Eröffnungsfilm nimmt sich die Ankündigung der Veranstalter aus, dieses Jahr sei »Schluß mit lustig«, denn der Trend unter den Festivalbeiträgen ginge zum »unhappy end«. Man darf gespannt sein. 2008-08-22 11:07

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