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Internationales Frauenfilmfestival 2008

Köln
23. – 27. April 2008
L’homme qui marche, der siegreiche Debütfilm von Aurélia Georges

China in Köln

Von Dominik Weber Knapp 100 Filme wurden zwischen dem 23. und 27. April auf dem Internationalen Frauenfilmfestival (IFFF) in zahlreichen Kölner Kinos vorgestellt. Das IFFF findet in jährlich wechselndem Rhythmus in den Städten Dortmund und Köln statt und versteht sich nicht nur als reines Filmfestival, sondern auch als Plattform für Vernetzung, Austausch und Weiterbildung. Der Startschuß fiel in der Kölner Südstadt, genauer gesagt im Odeon Theater. Neben einer Vielzahl Filminteressierter besuchten auch Regisseurinnen, Filmwissenschaftler und Politiker wie Fritz Schramma die Auftaktveranstaltung.

Vom Kunstfilm über Dokumentationen bis hin zu Spielfilmen war in den vier Tagen alles vertreten, es wurde ein breitgefächerter Überblick über das Filmschaffen von Frauen geboten. Neben dem Debütspielfilm-Wettbewerb und Lesben- sowie Transgenderfilmen bildete der Fokus China einen Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung. Hier wurden die Entwicklungen der chinesischen Filmindustrie innerhalb der letzten zehn Jahre beleuchtet. Eine Auswahl chinesischer Filme gab es zu bestaunen, vor Ort war die renommierte Regisseurin Ning Ying, die unter anderem als Assistentin von Bertolucci bei Der letzte Kaiser arbeitete. Sie stellte nicht nur ihren aktuellen Film Perpetual Motion vor, sondern gab tiefere Einblicke über die Produktionsbedingungen in China.

Natürlich wurde bei diesem Länderschwerpunkt auch das Thema Zensur angesprochen. Die überwiegend in China lebende Kuratorin Katharina Schneider-Roos erklärte, daß die Zensurmaßnahmen relativ willkürlich verliefen: »Man kann annehmen, daß Sexszenen, Gewaltszenen oder gewisse politische Themen nicht angesprochen werden dürfen. Aber nach welchen Richtlinien entschieden wird, weiß niemand genau.« Independent-Filme hätten weiterhin nur stark begrenzte Möglichkeiten, in China gezeigt zu werden. Dennoch konnte sie auch viele Gemeinsamkeiten entdecken. Ein Workshop, in dem eine deutsche und eine chinesische Regisseurin gegenübergestellt wurden, verdeutlichte dies: »Wir haben sie aufgrund von Gemeinsamkeiten ausgesucht. Das Konzept ist voll aufgegangen und war einmalig spannend. Das war ein wirklich schönes Beispiel für den Austausch von Kulturen«, so Schneider-Roos weiter.

Zu feiern gab es dann auch noch etwas: Bei der Preisverleihung im Filmforum am letzten Tag des Festivals gewann die französische Regisseurin Aurélia Georges den mit 10.000 Euro dotierten Debütfilm-Preis. Ihr Film L’homme qui marche – übersetzt: »Der gehende Mann« – handelt von einem russischen Schriftsteller, der 1960 nach Paris auswandert, um sich als Autor zu verwirklichen. »L’homme qui marche ist das eigenwillige filmische Porträt eines unbekannten Autors aus zeitgeschichtlichem Blickwinkel«, so das offizielle Statement der Jury.

Der von der Zeitung »choices« gestiftete und mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis ging an die französische Produktion Cowboy Angels, der in deutscher Erstaufführung gezeigt wurde. 2008-05-05 12:50
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