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Filmfestival Rotterdam 2002

Rotterdam,
22. Januar - 2. Februar 2002

Filmfestival Max-Ophüls-Preis 2002

Saarbrücken,
22. - 27. Januar 2002
»Mein Bruder der Vampir« von Sven Taddicken

Frühlese

Von Nikolaj Nikitin Aller Anfang ist schwer, das gilt nicht nur für die ersten filmischen Gehversuche über längere Strecken, sondern auch für Filmveranstaltungen, die zeitlich früh im Kalender stehen und das Filmfestkarussell eröffnen. Zum Glück existiert im deutschsprachigen Raum mit dem Max-Ophüls-Preis eine ideale Möglichkeit, das Filmjahr zu beginnen und es im Anschluß auf internationalem Niveau mit dem überaus lobenswerten Festival in Rotterdam fortzusetzen.

Saarbrücken ist aber nicht nur früh im Jahr, es hat sich über die Jahre, und das überaus erfolgreich, zur Aufgabe gemacht, die ersten Gehversuche deutschsprachiger Filmemacher zu fördern und einem interessierten und überaus kompetenten (Fach-)Publikum zu präsentieren. Dabei ermöglicht die offene Struktur den Kontakt zu den Filmemachern und einen regen Austausch. Es verwundert entsprechend nicht, daß das Festival etliche treue Anhänger besitzt. So präsentierte Christian Petzold, früher ein gern gesehener Gast mit seinen ersten Arbeiten und inzwischen einer der besten Regisseure unseres Landes, seinen überragenden Fernsehfilm »Toter Mann«. Neben der Vorstellung des neuen Werkes kassierte Petzold noch eine Ehrung fürs vorherige: Die innere Sicherheit wurde mit dem »Preis der Deutschen Filmkritik« 2001 in der Kategorie bester Spielfilm ausgezeichnet. Den Nachwuchspreis erhielt Benjamin Quabeck für sein Debüt Nichts bereuen, als bester Schauspieler wurde Jörg Schüttauf (Berlin is in Germany) und als beste Schauspielerin Katrin Saß (Heidi M.) geehrt.

Einen Preis hätte auch die Festivalleiterin Christel Drawer für ihre Arbeit verdient, stattdessen bekam sie die Kündigung. Die politischen Hintergründe und internen Machtspielchen, die dazu führten, machen ein weiteres Überleben des Festivals fraglich. Unter den diesjährigen Preisträgern stach besonders Fickende Fische, ein hervorragendes Debüt, hervor.

Was freut, Hoffnung schürt und sich in Saarbrücken häufiger erleben läßt, ist, wenn Studenten, die mit ihren Kurzfilmen zu überzeugen wußten, auch im ersten Langfilm Stärke beweisen und demonstrieren, daß sie das vorher Gelernte weiter zu entwickeln, auszubauen und in ein künstlerisches Gesamtkonzept zu integrieren verstehen. Mein Bruder der Vampir stellt solch ein Debüt eines der talentiertesten deutschen Ex-Filmhochschüler dar: Sven Taddicken bewies mit Werken wie »Whodunit?!«, »El Cordobés« und »Schäfchen zählen« ein für sein Alter außergewöhnlich abwechslungsreiches Œuvre. Im ersten Langfilm finden sich stilistische, aber auch inhaltliche Elemente der früheren Werke wieder. Der Film beeindruckte Berater von anderen Festivals, und so konnte sich ein internationales Publikum von seiner Qualität beim anschließenden 31. Filmfestival in Rotterdam überzeugen. Die FIPRESCI-Jury war gar so angetan, daß sie dem deutschen Beitrag um den renommierten Tiger Award ihren Preis zugestand.

Rotterdam ist ein Festival, das seine außergewöhnliche Reputation als eines der aktivsten und innovativsten Filmevents in Europa zu recht verdient. Neben einem Wettbewerb, der sich aus Arbeiten rund um den Globus zusammenstellt, Retrospektiven und verschiedenen Sidebars, widmete sich das Festival verstärkt dem asiatischen Film. Besonders zeichnet Rotterdam aber seine Beschäftigung mit der Grenzüberschreitung des filmischen Raums, der Verbindung von Film mit der bildenden Kunst und der Reflexion mit international anerkannten Intellektuellen über die Zukunft des Kinos aus. In diesem Jahr widmete man sich der Frage nach dem Stellenwert des Mediums – angelegt an André Bazins klassischer Studie »Was ist Kino?«.

Rotterdam, ebenso wie Saarbrücken, ist inzwischen weit mehr als eine reine Abspielstätte, denn neben den Diskussionsrunden finden Ausstellungen sowie der Cinemart statt, und durch Hubert Bals Stiftung bemühen sich die Leiter Sandra den Hamer und Simon Field, gerade Filmemacher in strukturell schwächeren Ländern bei der Realisierung ihrer filmischen Visionen zu unterstützen und diese dann später dem Publikum zu zeigen. Spannender, unterhaltsamer und abwechslungsreicher kann ein Festivalkinojahr eigentlich nicht beginnen. 1970-01-01 01:00
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