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Kurzfilmtage Oberhausen 2002

Oberhausen, 1. - 6. Mai 2002
 

Kurzes für Kurze

Von Holger Liepelt Das älteste und größte Kurzfilmfestival der Welt präsentierte neben einem internationalen Wettbewerb und einem sorgfältig kuratierten Rahmenprogramm namens »Katastrophe« den nationalen Wettbewerb, dem stets eine besondere Bedeutung innerhalb der deutschen Kurzfilmszene zukam.

Der deutsche Wettbewerb in Oberhausen ist traditionell ein Barometer bezüglich des Schaffens in der nationalen Kurzfilmszene. Obwohl der Geschmack der Auswahlkommission bei weitem nicht alle Gemüter trifft und eher dem traditionellen experimentellen Kurzfilm verpflichtet ist, gestaltete sich der diesjährige Wettbewerb heterogener und teilweise recht witzig und publikumsnah. Wie bei jedem anderen Wettbewerbsprogramm, das sich auf die aktuelle Produktionslandschaft verlassen muß, ist es schon ein deutliches Signal, wenn sich die Kommission entschlossen hat, nur vier Wettbewerbsblöcke zusammenzustellen. Diese Entscheidung erscheint im nachhinein auch sinnvoll, denn in den vier Blöcken konnten nicht alle Filme überzeugen.

Dennoch wurden gelungene Werke eines Genres gezeigt, für das Oberhausen weltweit bekannt ist: des eigensinnigen Experimentalfilms. Dauergast Matthias Müller war mit »Phantom« vertreten und sein Schnittmeister und Partner Christoph Girardet mit der eigenen Arbeit »Scratch«, die als bester Beitrag ausgezeichnet wurde. Vier weitere Filme, die mit ihrer sehr persönlichen Machart überzeugten, waren »Der freie Mensch« von Frank Westermeyer und Sylvie Boisseau, »Das schlafende Mädchen« von Corinna Schnitt, »Der moderne Zyklop« von Daniel Nocke sowie »Innen außen Mongolei« von Sebastian Winkels.

Nikolaj Nikitin

 



Kino für Kinder und Jugendliche trägt noch immer das Stigma des filmisch Nichtrelevanten, was zum größten Teil an der weniger komplexen Struktur der Narration und des formalen Aufbaus liegt. Die Kurzfilmtage Oberhausen steuern hier seit 1978 mit dem Kinder- und Jugendkino gegen. Die mediale Öffentlichkeit braucht etwas länger. Doch mit den großen Erfolgen von Kinderfilmen der jüngeren Zeit ("Pünktchen und Anton«, Das Sams, »Der kleine Eisbär") sollte auch der Kurzfilm für Kinder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Nach den Kurzfilmtagen kündigten ARD und ZDF jedenfalls an, vermehrt Kurzfilme für Kinder zu senden. Bleibt zu hoffen, daß dies nicht nur Lippenbekenntnis bleibt. Bei dem durchweg exzellenten Niveau der Programme wäre es jedenfalls wünschenswert, daß diese Filme auch einem größeren Publikum bekannt gemacht werden.

Daß in Skandinavien traditionell mehr auf den Nachwuchs geachtet wird, ist nicht erst seit der Pisa-Studie bekannt, und im Kinder- und Jugendprogramm zeigte sich, wie groß der Vorsprung ist: Wann immer ein Film besonders gefiel, war er mit Sicherheit aus dem Norden Europas. Dies gilt beispielsweise für den Thriller »Wenn Du draußen bist« von Nina F. Grünfeld. Ein Brief mit Beleidigungen wird versehentlich zum Teil einer Geburtstagsschatzsuche, und die Autorin setzt alles daran, ihn ungelesen zurückzuerobern. Ihr quälendes schlechtes Gewissen und ihre Reue übertragen sich unverschnitten auf den Zuschauer, auch weil jeder eine ähnliche Situation garantiert schon erlebt hat.

Wie sehr Kinder das Verhalten der Eltern kopieren, wie wichtig es ist, seinen Kindern Aufmerksamkeit und Zeit zu widmen, wie sehr Erwachsene darüber nachdenken müssen, was sie ihren Kindern vorleben, all das kann »In einer Nußschale« in einer knapp zweiminütigen Parabel erzählen. Geistesabwesend »öffnet« der Vater seinem 3jährigen Sohn eine Walnuß mit einem Hammer. Worauf dieser den Hammer nimmt, die Glasschale mit den Nüssen anpeilt, ausholt und … der Film endet. Eigentlich ein Film für die Eltern.

Was es heißt, im falschen Körper geboren zu sein, zeigt »Der Tag, an dem ich beschloß, Nina zu sein« von Ingeborg Jansen, den die Kinderjury zu ihrem Favoriten wählte. »Ibiza«, in dem es um die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität des ersten Mals geht, bekam den Preis der Jugendjury. 1970-01-01 01:00
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