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Nippon Connection 2007

Nippon, Japan
18. bis 22. April 2007
Mushishi von Katsuhiro Otomo

The World Sinks Except Japan

Von Nadine Sohn Dieser Film von Minoru Kawasaki ist eine Parodie auf den in Japan sehr erfolgreich gelaufenen Blockbuster »Japan Sinks« (Shinji Higuchi). Der Titel könnte aber auch Motto des Japanischen Filmfestivals Nippon Connection sein, das vom 18. bis 22. April in Frankfurt stattfand.

Vom Festivalzentrum aus scheint die restliche Welt tatsächlich zu versinken: Zwar hört sich die Adresse »Studierendenhaus der Universität Frankfurt« zunächst nicht einladend an, doch das Festivalkomitee schafft es, das Treppenhaus des Betonbaus in eine Oase fernöstlicher Kultur zu verwandeln: eine Tee- und Sakelounge, ein Sushiimbiß, Shiatsumassage, Karaoke und Partys mit Drag-Queen-Performances. Besonders die Videospielhölle ist ein großer Anziehungspunkt und wird von vielen dann aufgesucht, wenn für eine Vorstellung keine Karte mehr zu bekommen ist, was leider häufiger passierte.

Zum dritten Mal vergibt das Festival einen Publikumspreis, für den zwölf Filme zur Auswahl stehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: von der actiongeladenen Mangaverfilmung »Arch Angels«, in der Internatsschülerinnen plötzlich über Superkräfte verfügen und die mit ihren Computerspiel-Einblendungen wie ein Studentenfilm wirkt, zu aufwendig produzierten Phantasie-Spektakeln wie »Mushishi« und dem Mystery-Thriller »The Pavillion Salamandre«.

Auch sogenannte Pink Filme laufen im Wettbewerb – ein japanisches Genre zwischen Kunst- und Pornofilm. Der Pink Film »Nikomihoppy« beispielsweise arbeitet in die Geschichte eines jungen Mannes, der sich auf die Suche nach seiner inzwischen verstorbenen Ex-Freundin macht, unzählige Sexszenen ein, und zumindest die Nippon-Connection-Neulinge im Publikum tun sich mit diesem Film etwas schwer.

»La Maison de Himiko«, ein für das japanische Kino ungewöhnlicher Film, erhält schließlich den Publikumspreis: eine junge Frau arbeitet in jenem Altersheim, in dem auch ihr Vater lebt, zu dem sie seit seiner Entscheidung als Drag-Queen zu leben, keinen guten Kontakt hatte.

Zusätzlich zur Wettbewerbsauswahl präsentierte Nippon Connection noch die Reihe Nippon Retro mit japanischen Experimentalfilmen von den 1960er Jahren bis heute und Nippon Digital. In dieser Reihe wird am deutlichsten, was für die meisten Filme des Festivals gilt: Sie gehen auf eine angenehme Art sehr unbedarft mit der Filmgeschichte um. Erzählkonventionen werden unterwandert, ohne dabei ganz aufgegeben zu werden, der Musik kommt oftmals ein höherer Stellenwert zu, und neue Techniken wie Computeranimationen werden ohne Berührungsängste in Realfilmsequenzen montiert.

Insgesamt sind über 40 Filmschaffende, meist Regisseure und Hauptdarsteller aus Japan angereist, darunter beispielsweise Kaori Momoi, die in Japan eine der bekanntesten Schauspielerinnen ist und hier als Regiedebüt eine liebenswürdig-schräge Familiengeschichte mit wunderschönen Bildern zeigt ("Faces of a Fig Tree"). Alle Gäste beantworteten im Anschluß an ihre Filme Fragen und überzeugten durch ihre direkte und ungekünstelte Art.

Das Festival ist nach nur sieben Jahren das größte Festival für japanisches Kino weltweit und wird in diesem Jahr auch auf Tournee durch Europa, sowie Nord- und Südamerika gehen. In Deutschland werden die Filme noch einmal in Nürnberg und Leipzig zu sehen sein. 1970-01-01 01:00
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