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Internationales Frauenfilmfestival

Köln, 11. - 15. Oktober 2006
»Cease Fire« von Tahmineh Milani

Lost in Farsi

Von Arezou Khoschnam Vergangenen Oktober feierte das Internationale Frauenfilmfestival (IFFF) mit einer bestens gelaunten Jury in Köln eine überaus charmante Premiere. Die Fokussierung auf das Filmland Iran, dessen Erwähnung heutzutage sonst eher für Schrecken sorgt, tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Der unangefochtene Star des Festivals war die iranische Regisseurin und Jurymitglied Tahmineh Milani, die sich im Iran samt Filmen größter Beliebtheit erfreut und deren natürliche Direktheit auf der Bühne auch im Kölner Publikum für viele Lacher sorgte. Während sie in ihrem moralisch bedenklichen Sozialdrama »The Unwanted Woman« (2005) auf das Recht einer betrogenen Ehefrau auf Selbstjustiz hinweist, schlägt sie in »Cease Fire« (2006) heitere Töne an. In ihrer aktuellen Beziehungskomödie – einer Mischung aus »Rosenkrieg« und »Harry und Sally« – liefert sich ein junges Ehepaar einen verbalen Schlagabtausch nach dem anderen. Ein wenig ernst wird die Regisseurin, die durchaus Talent als Standup-Comedian beweist, erst, als ein Fotograph sie ohne Kopftuch ablichten will, was sie höflich, aber bestimmt ablehnt. Lediglich in solchen Momenten wird die Erinnerung an die politische Realität im Iran wachgerufen.

Den Auftakt machte allerdings das Drama »Women's Prison« (2002) von Manijeh Hekmat. Thematisiert wird der harte Gefängnisalltag der Insassinnen und wie sie versuchen, sich einen Rest von Würde an dem nur von Frauen beherrschten Ort zu bewahren. Die Szenen spielen sich lediglich hinter den Gefängnismauern ab und erzielen dadurch eine beklemmende Atmosphäre.

Im Horizonte-Wettbewerb unterlag »On a Friday Afternoon« (2005) der Jungregisseurin Mona Zandi Haghighi zwar Claudia Llosas eindrucksvollem Madeinusa (2005), bekam von Juryseite aber ein Extralob. Zu Recht, denn das Drama zeichnet sich durch eine ellipsenhafte Bildsprache aus. Wo kein Bild ist, kann auch nicht zensiert werden.

Mit einer Reihe diverser Kurzfilme, teils Arbeiten von Filmstudenten, die von Animation über Doku bis hin zu einfachen, aber schön erzählten Geschichten wie Monir Gheydis »Boy, Girl, Old Man« (2003) für jeden Geschmack etwas bereithielten, neigte sich das Festival dem Ende. Mit Podiumsdiskussionen und einer Fotoausstellung rundete es seinen Beitrag zur zeitgenössischen iranischen Kulturlandschaft ab.

Fünf Tage lang bot das IFFF gute Unterhaltung, die durch kleine Pannen auch nach der Filmvorführung noch anhielt. Schwer zu übertreffen war jedoch das Juryduo Milani/Datta: Zusammen mit ihrer neuen Freundin Madhusree Datta, einer anerkannten indischen Dokuregisseurin, verzögerte Milani die Preisverleihung mit orientalischer Höflichkeit und bescherte dem nächsten Mal (April 2007 in Dortmund) bereits jetzt eine schwer zu toppende Sympathiequote. 1970-01-01 01:00
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