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Mar del Plata 2002

Buenos Aires, 7. - 16. März 2002
Ben Stiller in »Die Royal Tenenbaums«

Mar del Plata hält durch - Festival für das qualitätsvolle Autorenkino

Von Barbara Obermaier Zum siebzehnten Mal – und nach der Wiederaufnahme im Jahre 1996 zum siebten Mal – fand das internationale Filmfestival in Mar del Plata unter schwierigsten Bedingungen statt. Trotz der wirtschaftlichen und politischen Krise in Argentinien, die seit Dezember bereits den fünften Präsidenten sieht, ist sich Festivalleiter Claudio Espana sicher, daß das Festival unbedingt weitergeführt werden müsse: »Es wäre sehr schade, wenn das Festival seinen A-Status verlieren würde.«

Starke Konkurrenz besteht zu den Festivals in Buenos Aires (April) und Rio de Janeiro (September). Mar del Plata ist auf dem südamerikanischen Kontinent das einzige Festival mit dem von der FIAPF vergebenen A-Status. So erhielt Bertrand Tavernier viel Applaus während der Pressekonferenz zu seinem Film Laissez Passer, in der er ausdrücklich betonte, daß er gerade mit seinem Besuch das Festival in schwierigen Zeiten unterstützen wolle. In diesem Jahr stehen ein Zehntel des letztjährigen Budgets zur Verfügung (400.000 $) unter Beibehaltung der 160 Filme umfassenden Struktur mit sieben Sektionen. Der Peso verlor bislang das zweieinhalbfache seines Wertes, seitdem die Dollar-Preisbindung aufgehoben wurde. Es ist kein Wunder, daß Hollywood-Stars durch Abwesenheit glänzten (und ebenso einige Filmkopien, die zu spät eintrafen). Immerhin zog es in das 400km von Buenos Aires entfernte sonnig-gemächliche Beach Resort Roger Corman, Kenneth Anger und Claire Bloom, die in liebevollen Inszenierungen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden.

Wes Andersons The Royal Tenenbaums eröffnete mit großer Begeisterung des zahlreichen, ungemein cinephilen Publikums. Das in Madrid und Brüssel angesiedelte Beziehungsdrama La Soledad era esto des Oscar-nominierten Argentiniers Sergio Renan enttäuschte als Abschlußfilm. Der offizielle Wettbewerb umfasste 17 internationale Premieren, der weniger das glamouröse Autorenkino präsentiert als qualitätsvolle Autorenfilme mit starker südamerikanischer Präsenz. Gewinner des goldenen Ombu wurde Bolivar Y Soy (Bolivar, das bin ich) des 59-jährigen Kolumbianers Jorge Ali Triana, an den auch die Auszeichnung silberner Ombu für den besten lateinamerikanischen Film ging. Die mexikanisch-kolumbianische Produktion überzeugte nicht nur in Kolumbien als politische Mediensatire, die die chaotisch-wundersame Welt Lateinamerikas mit schwarzem Humor bloßstellt. Der Höhepunkt des im Fernsehmilieu angesiedelten Stücks ist die reelle Entführung des bolivianischen Präsidenten, um den Traum eines »Großen Kolumbiens« zu ermöglichen.

Absoluter Abräumer des Festival war allerdings die deutsch-französische Produktion Taking Sides. Produzent Yves Pasquier nahm die fünf Preise für den besten Darsteller (Stellan Skarsgard), für die beste Regie (Istvan Szabo), die beste Kamera (Lajos Koltai), den Preis der OCIC und den Kodak-Preis für Lajos Koltai entgegen. Auch Annas Sommer von Jeanine Meerapfel erhielt eine spezielle Erwähnung, Kirsten Dunst wurde als beste Darstellerin in The Cat's Meow von Peter Bogdanovic ausgezeichnet.

Als einziger argentinischer Film erhielt der mit Spannung erwartete Caja Negra (Black Box) des 21-jährigen Newcomers und Politikersohns Luis Ortega den Spezialpreis der Jury. Der FIPRESCI-Preis ging an die italienische Produktion Santa Maradona von Marco Ponti, dessen Hauptdarsteller Libero De Rienzo auch mit einem silbernen Ombu für den besten Darsteller ausgezeichnet wurde.

Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Nana Dzordjadze bestand aus dem Chilenen Silvio Caiozzi, dem amerikanischen Produzenten Jon Davison, der mexikanischen Schauspielerin Blanca Guerra, der argentinischen Schauspielerin Mercedes Moran (La ciénaga) und der französischen Filmkritikerin Sylvie Pierre. Der neue Leiter des argentinischen Filminstituts und Filmförderung INCAA, der Regisseur Jorge Coscia, und Kulturminister Ruben Stella brachten zur Abschlußgala dann doch noch ein aufmunterndes Bonbon mit und stellten der Filmindustrie in Zukunft eine stärkere finanzielle Unterstützung in Aussicht. 1970-01-01 01:00
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