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Peter Fonda

Machte in Zürich auch 40 Jahre nach Easy Rider eine gute Figur auf der Harley: Peter Fonda

»Wenn ich nichts sage, sagt das viel.«

Von Kyra Scheurer Das pittoreske alte Frauenbadi in Zürich im strahlenden Sonnenschein. Peter Fonda entzieht sich der Mittagshitze durch stargerechte Verspätung. Am Ende bleiben von einer halben Stunde Interviewzeit knappe sieben Minuten – der Mann, den man bis heute mit seiner Rolle als Captain America aus dem Kultfilm Easy Rider identifiziert, hat nämlich im Anschluß einen wichtigen Termin: Anläßlich des vierzigsten Jahrestages von Easy Rider lädt Peter Fonda zu einem Harley-Trip ein, dessen Erlös von 1.000 Franken pro deutlich weniger prominentem Biker-Genossen »Ärzte ohne Grenzen« zugute kommt. Am frühen Abend dann wird Fonda als Höhepunkt des MSF-Rides auf dem Roten Teppich des Zurich Film Festivals zur Jubiläumsvorführung einfahren.

Ihr größter Erfolg wird heute 40 Jahre alt. Wie alt fühlen Sie sich gerade?

Ich bin ein Achtjähriger. Wenn man neun ist, will man unbedingt zehn werden, mit zehn wünscht man sich nichts sehnlicher, als endlich Teenager zu werden. Es ist zwar der 69jährige, der den Scheck ranschafft, aber innerlich bin ich heute ein zufriedener Achtjähriger.

Der äußerlichen 69 Lebensjahre ungeachtet geht es gleich auf der Harley los zum großen MFS-Ride. Steckt noch viel Captain America in Ihnen?

Nein. Das ist Peter. Peter lebt und ist derjenige, der froh ist, wieder in Zürich zu sein, Freunde besuchen zu können und ein weiteres mal Teil dieses schönen Festivals zu sein.

Es nervt Sie, immer wieder auf diese Rolle, diesen Film reduziert zu werden, oder?

Es war lange hart für mich, wie Sie wissen, habe ich ein paar mehr Filme als Easy Rider gedreht. Aber irgendwann habe ich verstanden, wie enorm wichtig dieser Film für viele Menschen war, das er wirklich etwas verändert hat. Jetzt ist das also nicht mehr traumatisch, und ich bin einfach froh, daß ich etwas Bleibendes geschaffen habe – sonst würden die Leute mich nicht nach 40 Jahren immer noch als Captain America sehen.

Ist Easy Rider also ein zeitloser Film, der nach wie vor noch eine Botschaft an junge Leute hat?

Klar! Nehmt keine Drogen (lacht).

Ist das auch Ihre persönliche Botschaft?

Eher nicht. Aber vielleicht kann man aus dem Film auch lernen, daß man bei Reisen durch Südamerika eher vorsichtig sein sollte.

Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater, dem berühmten Schauspieler Henry Fonda, gilt als sehr schwierig.

Es war furchtbar!

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren eigenen Kindern, sind Sie ein Familienmensch?

Ich mache mir jeden Tag Sorgen um meine Kinder – wie wahrscheinlich die meisten Eltern.

Auf der Limmat hinter der Holzvertäfelung des Frauenbadis quaken einige Enten und unterbrechen das Gespräch. Peter Fonda ruft unerwartet laut »Hey! Wir arbeiten hier drinnen! Da gibt es dieses leckere Gericht namens Entensuppe, wißt Ihr…« und antwortet dann wieder sehr konzentriert. Allerdings nicht auf die gestellte Frage. Und über Film kann dann auch nicht mehr gesprochen werden, leider. Stattdessen führt er einige Dinge an, die ihm wirklich am Herzen zu liegen scheinen. Daß immer noch Krieg und Hunger die Welt prägen, weshalb Wohltätigkeit sehr wichtig sei. Und wie sehr fundamentalistische Christen die Welt beherrschen wollen, daß sie aber nicht einmal die Evolutionstheorie anerkennen, dafür aber jede Menge Geld besitzen, um ihre Machtpläne zu verfolgen. Die Pressedame erinnert an die Uhr. Eine Frage allerdings kann dieser Tage nicht ungestellt bleiben, die nach der überraschenden Verhaftung Polanskis hier in Zürich. »Ich war schockiert«, bricht es aus Peter Fonda heraus, dann strafft er sich und tut kund, zu diesem Thema solle er wohl lieber nichts sagen. Warum nicht? »Wenn ich nichts sage, sagt das viel.«
2009-10-08 14:57
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