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Isabella Rossellini

Isabella Rossellini in Green Porno, Foto: Jody Shapiro

Die Garnele, der Pinguin und das schlimme Wort

Isabella Rossellini über Sex

Von Felix von Boehm, Alexia Berkowicz Isabella Rossellini, Mythos und Sexsymbol, ist die Autorin und Regisseurin einer Pornoserie. »Green Porno« handelt vom Sexualverhalten der Tiere, vor allem von Insekten. Felix von Boehm und Alexia Berkowicz haben die Schauspielerin (Blue Velvet, Wild at Heart) in ihrem New Yorker Appartement am Central Park besucht. Die Prämisse: »Let’s talk about sex!«

Isabella Rossellini öffnet die Tür ihrer Wohnung und führt uns durch die unverkennbar italienische Küche in den Salon mit fantastischem Ausblick über den Park. Auf ihrer Nasenspitze sitzt eine Lesebrille. Sie scheint bis eben noch in die Biologiebücher und Tierlexika versunken gewesen zu sein, die überall auf dem Boden verstreut liegen – Recherchen für eine neue Staffel von »Green Porno« über das Paarungsverhalten von Meerestieren. Sie setzt die Brille ab, streicht ihr kurzes, braunes Haar zurück und lacht, wie sie eben lacht, herzhaft und donnernd. Dieses Lachen wird das Gespräch begleiten, bei dem ihre Mutter uns zuhört: An der Wand hinter Isabella Rossellini hängt ein großes Filmplakat von Roberto Rossellinis Europa 51, in dem Ingrid Bergman die Hauptrolle spielte.

Frau Rossellini, was finden Sie so sexy an Tieren?

Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich sexy finde. Aber ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für Tiere. Und durchaus auch für den wissenschaftlichen Hintergrund – das habe ich wahrscheinlich von meinem Vater, Roberto Rossellini, geerbt. Der war geradezu besessen von wissenschaftlichen Details. Tiere jedenfalls waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Leider teilen dieses Interesse nur wenige meiner Freunde und Bekannten. Die meisten fangen an zu gähnen, wenn ich wieder einmal von Tieren erzähle. Als ich aber einmal vom Sexualverhalten der Tiere gesprochen habe, bekamen auf einmal alle große Ohren. Diese Strategie habe ich zum Prinzip meiner »Green Porno«-Kurzfilme gemacht. Erzähl’ den Leuten etwas über Sex, und sie hören Dir zu! Egal, ob Du von Erdwürmern, Schnecken, Fliegen oder Spinnen sprichst.

Warum haben Sie sich in der ersten Staffel von »Green Porno« ausgerechnet auf das Paarungsverhalten von Insekten konzentriert?

Als ich klein war, habe ich natürlich immer von der großen Wildnis geträumt. Ich wollte sein wie Jane Goodall, die zwanzig Jahre mit einem Schimpansen zusammengelebt hat, und selbst in den Dschungel gehen. Aber mit der Zeit habe ich festgestellt, daß man auch im eigenen Hinterhof, in der Wohnung oder im Waschbecken jede Menge Tiere finden kann – und zwar ziemlich verrückte! Natürlich haben diese Kriecher und Zwicker nicht die Größe und den Stolz eines Löwen oder eines Elefanten, aber sie sind doch mindestens so interessant – schon allein, weil sie keine Säugetiere sind und wirklich anders funktionieren als wir. Auch in sexueller Hinsicht…

Wo liegt der Hauptunterschied?

In einer unglaublichen Bandbreite an Möglichkeiten, Sex zu haben. Wie arm ist im Vergleich unsere Sexualität! Aber das Verrückteste bei uns Menschen ist doch, daß wir für keine anderen Organe so viele Gesetze haben, wie für den Penis und die Vagina. Die Kirche, der Staat, das Gesundheitswesen – alle reden mit, wenn es um unsere Geschlechtsorgane geht. Es ist schon bemerkenswert, daß wir Menschen keine Gesetze für die Lunge oder das Herz haben, wohl aber für unsere Geschlechtsorgane. Und all diese Regeln und Paragraphen versuchen nur eines zu definieren: Was ist normal? Ist beispielsweise Homosexualität etwas Unnatürliches? Ist sie angeboren oder das Resultat falscher Erziehung oder frühkindlicher Traumata? Wenn man im Gegensatz zu derartigen Diskursen, die wir Menschen führen, einen Blick auf die Natur wirft, so stellt man dort eine enorme und durchaus natürliche Vielfalt fest. Bei dieser Vielfalt an Arten und auch an Sexualpraktiken kann man sich schon ganz schön über die menschliche Engstirnigkeit wundern. Mit »Green Porno« möchte ich meine Begeisterung und meinen Spaß an dieser wunderbaren Natur teilen, denn diese Tiere und ihre Eigenheiten bringen mich wirklich zum Lachen!

Welche Tiere ähneln uns Menschen denn am meisten?

Die Säuger natürlich, vor allem die Affen. Das liegt einfach daran, daß sie häufig eine ähnliche Anatomie haben, und im Grunde die gleichen Geschlechtsorgane – einen Penis und eine Vagina. Doch trotz dieser anatomischen Ähnlichkeit unterscheidet sich ihr Sex ganz wesentlich von unserem. Zunächst einmal dient er ihnen weniger zur Befriedigung der Lust als vielmehr zur erfolgreichen Reproduktion. Außerdem haben sie eine Brunstzeit, in der sie gewissermaßen für den baldigen Eisprung werben. Wir Menschen haben das nicht. Wer weiß, warum…

Hat Sie neben solchen Erkenntnissen die Recherche für »Green Porno« auch persönlich verändert?

Oh, ja! Ich denke, ich habe eine gewisse Form der Freiheit kennengelernt, die mir vorher unbekannt war. Wenn ich in das Reich der Tiere blicke und sehe, was sie so miteinander treiben, dann hilft einem das schon, selbst offener und vielleicht sogar verständnisvoller zu werden. Zumindest läßt es einen an einigen Sicherheiten zweifeln und auch daran, wer wir Menschen eigentlich wirklich sind. Ich meine jene »Normen«, die ich vorhin erwähnte und die wir Menschen selbst festgelegt haben.

Wollen Sie im Ernst sagen, wir könnten von Spinnen oder Garnelen Offenheit lernen?

Garnelen sind sogar ein besonders gutes Beispiel. Ich habe von einer bestimmten Art gehört, die das Leben als Männchen beginnt und als Weibchen stirbt. Und von Tieren, die beim Geschlechtsverkehr sowohl die aktive als auch die passive Penetration durchführen – Männchen und Weibchen! Ein anderes bekanntes Beispiel ist das der Pinguine, die häufig in homosexuellen Gemeinschaften leben. Wenn sie zu viele Eier haben, schenken sie sogar manchmal eines einem männlichen oder weiblichen Pärchen, sodaß das Aufziehen von Kindern in homosexuellen Paaren bei den Pinguinen schon eine lange Tradition hat, während wir Menschen noch immer darüber diskutieren.

Das klingt ja fast nach einer Botschaft. Wollen Sie mit »Green Porno« Tabus brechen?

Ich bin keine Aktivistin. Ich kann nur über meine persönliche Erfahrung sprechen – als Italienerin, die in einem streng katholischen Umfeld aufgewachsen ist. So habe ich sehr früh jene Verdächtigungen kennengelernt – gegenüber unabhängigen Frauen, gegenüber Schwulen, die Liste ist lang. Mir wurde beigebracht, daß man diese Menschen heilen und von ihren Fehlern befreien könne. Wenn mir heute jemand etwas über die »Verirrungen« der Natur erzählen will, dann werde ich ihn gerne auf einen Spaziergang durch die Natur einladen!

Ist nicht unser Verhältnis zur Natur noch immer verkrampft, wenn man die endlosen Diskussionen um die Evolution, vor allem in den USA, aber zunehmend auch in Europa beobachtet – darum, ob die Schöpfungsgeschichte recht hat oder Darwin…

…was sich ja gar nicht ausschließen muß. Ich habe beispielsweise viele Freunde, die sowohl an Gott als auch an Darwins Theorien glauben. Und ich kann nur alle religiösen Menschen zu einer ähnlichen Haltung ermutigen. Schließlich wird das Bild Gottes doch umso großartiger, wenn er nicht nur als Schöpfer der Menschen und Tiere, sondern auch als Erfinder der Überlebensstrategien und Evolutionsmechanismen begriffen wird.

Wie haben Sie sich auf die Filme vorbereitet? Woher wissen Sie so viel über die Spielarten der Tier-Liebe?

Natürlich bin ich keine Wissenschaftlerin. Ich bin Schauspielerin, und im Falle von »Green Porno« auch Autorin und Regisseurin der Kurzfilme. Insofern habe ich natürlich verallgemeinern müssen und mich damit auch auf wissenschaftliches Glatteis begeben. So erinnere ich mich an einen Anruf bei einem befreundeten Forscher, dem ich mit einer langen Liste an Fragen zur Fliege auf die Nerven gehen wollte. Dazu kam es aber erst gar nicht, weil er mir sagte: »Isabella, es gibt 36.000 Fliegenarten. Erst mußt Du mir sagen, welche Du meinst!« So mußte ich mir mein Wissen erst einmal aus Biologiebüchern und Lexika zusammensuchen. Ich muß gestehen, daß ich diese Bücher teilweise sehr langweilig und kompliziert fand. Also habe ich ganz langsam gelesen und mir beim Lesen nach und nach vorgestellt, wie ich selbst zu dem Tier mutiere – ein bißchen so wie bei der Lektüre von Kafkas »Verwandlung«. Wenn ich also las, wie der Mund eines bestimmten Tieres aussieht und mit welchen Werkzeugen dieses Tier arbeitet, habe ich mich in diesen fremden Körper imaginiert. Insofern hatte die Arbeit an »Green Porno« zunächst zwar viel mit dem Kopf zu tun, wurde dann, beim Drehen, aber auch zu einer echten Körperertüchtigung. Eine Fliege, eine Spinne oder eine Schnecke beim Sex zu spielen, ist nichts anderes als Akrobatik! Aber auf diese Weise lernt man die Tiere eben auch im wahrsten Sinne »intim« kennen.

Mit welchem Tier würden Sie gern tauschen?

Oh, ich glaube, ich würde ganz gerne Mensch bleiben. Wobei ich mir schon immer gewünscht habe, ein Vogel zu sein. Das ist natürlich ein Traum, den viele Menschen haben; fliegen zu können und diese wunderbaren Augen zu haben, die so klar und weit sehen können. Auf der anderen Seite des Central Parks, an der Fifth Avenue, lebt ein Falke. Ich sehe ihn immer von meinem Balkon aus, wenn er über den Park fliegt und auf diese faszinierende Stadt und das Wasser hinunterblickt. Den Blick kenne ich nur aus dem Flugzeug…

Und in sexueller Hinsicht? Mit welchem Tier würden Sie für den Sex tauschen?

Wahrscheinlich mit der Garnelen-Art, die ich vorhin erwähnte. Ich würde allzu gerne mein Geschlecht wechseln können! Ich habe mich schon sehr oft gefragt, ob es einen wirklich essentiellen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt oder ob viele dieser vermeintlichen Unterschiede nicht einfach unsere eigenen Erfindungen sind. Wenn ich für nur einen Tag ein Mann sein könnte, hätte ich vielleicht endlich eine Antwort auf diese Frage.

Was würden Sie tun, als Mann?

Es würde mir vor allem darum gehen, herauszufinden, wie es sich anfühlt, ein Mann zu sein. In unserer Gesellschaft ist das Bild sehr verbreitet, daß Männer sich viel sicherer fühlen und entschlossener handeln. Ich würde gerne herausfinden, ob das wirklich so ist. Außerdem würde es mich sehr interessieren, ob Männer sich tatsächlich oft so hingezogen zu Frauen fühlen, daß sie manchmal ihr Geschlecht nicht mehr unter Kontrolle haben. Mir scheint oft, daß Männer ein stärkeres sexuelles Verlangen haben. Ich würde gern wissen, ob das in ihrer Natur liegt oder auch dafür kulturelle Tradierungen verantwortlich sind. Würde ich mich als Mann auf einmal für Waffen und Autos interessieren oder weiterhin friedlich meine Kinder und Hunde großziehen? Diese Fragen finde ich spannend. Insofern kann ich auf Ihre Frage, was ich als Mann tun würde, nicht wirklich antworten. Ich kann nur sagen, daß ich gerne fühlen würde, was es bedeutet, ein Mann zu sein.

Spielen Sie deshalb in den »Green Porno«-Episoden immer das Männchen?

Nein, das war eigentlich Zufall! Der Sundance Channel, der »Green Porno« produziert hat, stellte mir zunächst für drei Pilot-Filme ein begrenztes Budget zur Verfügung. In einer dieser ersten Episoden wollte ich über den Sex von Spinnen erzählen. Da das Spinnen-Weibchen sehr viel größer ist als das Männchen und sich kaum bewegt, beschlossen wir, daß ich das Männchen spielen würde. Es nähert sich diesem riesigen, unheimlichen Körper, den wir samt Netz im Studio nachbauten, befruchtet das Weibchen und flieht in Windeseile, weil es sonst gefressen wird. Die meisten Zuschauer reagierten mit einem Lachen: »Oh, Isabella! Du spielst das Männchen, Du spielst das Männchen!« Da habe ich mir gedacht – wenn immer möglich – den männlichen Part zu spielen. Was gibt es Schöneres, als wenn das Publikum lacht!

Ist Lachen über Sex wichtig für Sie?

Das ist nicht nur wichtig, das ist eine Empfehlung an alle Paare, egal ob Mann-Frau-, Mann-Mann- oder Frau-Frau-Beziehungen. Wenn man einen Partner finden kann, mit dem man gerne lacht, dann macht das viele Dinge einfacher. Auch den Sex! Ich habe nie einen Mann gesucht, der mich beschützen oder für mich sorgen kann. Mein größter Wunsch war immer, daß er mich zum Lachen bringen kann.

Nehmen die Menschen Sex zu ernst?

Eben leider gerade nicht! Das heißt: Sie reden unglaublich viel darüber, aber nur selten sprechen sie in Bezug auf Sex wirklich Wahrheit. Sex spielt in der Werbung eine große Rolle, in den Songs, die wir hören, in den Filmen, die wir sehen, und natürlich auch in Büchern. Aber ich muß sagen, daß meine eigenen sexuellen Erfahrungen mit diesem von den Medien propagierten Sex nur wenig zu tun hatten. Sie waren selten so leidenschaftlich und orgasmisch… Oft war es einfach nur schwierig. Und ich weiß aus Gesprächen mit Freunden, daß es vielen so geht. Wenn wir über Sex reden, dann sprechen wir natürlich nie darüber, wie schwierig es zum Beispiel ist, in einer langjährigen Ehe noch ein aktives Sexualleben aufrechtzuerhalten. Oder wie schwierig es am Anfang einer Beziehung ist, eine gewisse Gelassenheit, ein Vertrauen und eine liebevolle Intimität miteinander zu finden. Sex ist bei uns Menschen eben nicht einfach nur Reproduktion und hat auch mit dem, was die Popkultur proklamiert, nur wenig zu tun. Meine Partner jedenfalls hatten stets eine sehr schwierig zu greifende »Chemie«. Da hat man sich nicht einfach getroffen und ist mir nichts dir nichts ins Bett gehüpft.

Sie haben von Intimität gesprochen. Fehlt uns heute Intimität?

Ja, vielleicht könnte man das, was uns fehlt, als Intimität bezeichnen. Ich denke, es fehlt uns Menschen vor allem daran, daß wir miteinander sprechen. Das Sex-Fest, das die Medien täglich aufs Neue feiern, habe ich selbst nie erlebt. Und oft war ich mit meinen Erfahrungen und Gedanken sehr allein. Denn darüber redet man nicht. Ich finde, in unserer Gesellschaft ist Sex noch genauso ein Tabu wie im viktorianischen Zeitalter. Damals hat man gar nicht über Sex geredet, und heute redet man sehr viel darüber, aber auf eine Art und Weise, die zeigt, daß man eigentlich nicht darüber reden kann. Bei der Produktion der »Green Porno«-Episoden habe ich eine erstaunliche Erfahrung gemacht: Da ich in den Kurzfilmen ausschließlich wissenschaftliche Begriffe wie »Penis« oder »Vagina« verwende, wurde ich teilweise ganz schön schief angeguckt. Anscheinend schlimme Worte. Die Menschen sind aus den Medien viel eher »Pussy« und »Cock« gewöhnt. Die Bezeichnungen »Penis« und »Vagina« sind quasi Tabu-Wörter, denn sie gehören auch deinem Vater und deiner Mutter. Ich finde, daran sieht man, wie verkrampft und absurd unser Umgang mit Sex nach wie vor ist.

Sie haben als Modell gearbeitet, als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin. Haben diese verschienen Ebenen Ihren Umgang mit Sex verändert?

In der Zeit, in der ich als Modell arbeitete, ging es einfach darum, elegant zu sein, gut auszusehen und immer sexy zu sein. Aber schon damals grauste mir vor der Vorstellung, daß Männer sich ein VOGUE-Magazin kaufen und zu Hause darüber masturbieren. Insofern habe ich Komplimente wie »Isabella, you’re so sexy« stets mit Abstand betrachtet und dann auch beschlossen, die Modellkarriere zu beenden und dem Schauspiel mehr Raum zu geben.

Wie haben Sie diese Erfahrungen verändert? Etwa die Rolle der Dorothy Vallens in David Lynchs Blue Velvet?

Blue Velvet war eine sehr schwierige, aber spannende Erfahrung für mich. Ich erinnere mich an die Szene, in der Dorothy vergewaltigt wird. Einer meiner ersten Freunde hatte mich geschlagen. Diese traumatische Erfahrung half mir natürlich für die Rolle in Blue Velvet. In einer anderen Szene begegne ich dem unschuldigen Jeffrey Beaumont und beginne, ihn zu quälen. Insofern habe ich durch die Rolle der Dorothy Vallens viel über Sadomasochismus gelernt. Meine Lieblingszeile des Drehbuchs ist bis heute: »Kiss me, hit me!« Auch wenn mir dieses Phänomen noch immer ein Rätsel ist, glaube ich, daß ich die Opferrolle ansatzweise verstehen kann. Ich kann nachvollziehen, daß ein Mensch so unsicher und von Selbsthaß zerfressen sein kann, daß er in der sexuellen Degradierung eine Art Erlösung sieht. Die masochistische Ebene kann ich also nachvollziehen, die sadistische entzieht sich aber bis heute meinem Verständnis. Vielleicht geht es hier einfach darum, Kontrolle über einen Menschen zu gewinnen.

Eine weitere professionelle Erfahrung mit Sex haben Sie als Co-Autorin von Madonnas Buch »Sex« sammeln können…

Ja, wobei das von Steven Meisel – einem Modefotografen der VOGUE, mit dem ich früher viel zusammengearbeitet habe – ausging. Als er mich fragte, ob ich mitwirken wolle, sagte ich zunächst: »Steven! Ich habe zwei Kinder und habe schon mit Blue Velvet die Hölle erlebt. Laß mich bitte in Frieden!« Doch dann gingen wir gemeinsam mit Madonna essen, und ihr Projekt begann mich zu interessieren. Ich sagte ihr aber sofort, daß ich mich nicht für sie ausziehen würde. Im Endeffekt kamen sehr komische Fotos heraus, auf denen Madonna und ich als Männer verkleidet spielen und alle Regeln auf den Kopf stellen. Das hat natürlich Spaß gemacht! Aber das Buch an sich war mir am Ende fast zu moralistisch. Madonna tritt darin auf, als wisse sie mehr über Sex und könne uns eine Lektion erteilen. Das hat mich irritiert. Außerdem hat Madonna einen Körper, der so athletisch und sexy ist, daß auch diesem Buch wieder eine gewisse Wahrheit fehlte. Ich denke, Madonna hatte ein sehr ehrliches und ernst gemeintes Vorhaben, aber leider hat mich das Buch am Ende nicht berührt.

Jetzt planen Sie die zweite Staffel der »Green Porno«-Kurzfilme. Könnten Sie sich vorstellen, Regie bei einem Spielfilm über Sex zu führen?

Ich muß gestehen, daß mich die Kompliziertheit des menschlichen Paarungsverhaltens ein wenig müde gemacht hat. Ich war und bin noch immer eine überzeugte Feministin und habe insofern schon viel über Sex und die Rolle der Frau nachgedacht und gesprochen. Ich beschäftige mich jetzt lieber mit den tausend Geschlechtern der Tierwelt. Ich möchte einfach kurze, lustige Filme über Tiere drehen. Denn die bringen mich selbst zum Lachen! Und das ist nun mal meine Lieblingsbeschäftigung. 2008-05-12 12:00
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