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Charlize Theron

Die Schöne ist das Biest

Von Rüdiger Suchsland Mit erst 28 Jahren hat es die geborene Südafrikanerin Charlize Theron zum Star geschafft, vorzugsweise in der Rolle einer einschüchternden Femme fatale. John Frankenheimer, Robert Redford und Woody Allen gehören zu den Regisseuren, mit denen sie gearbeitet hat. Rüdiger Suchsland sprach mit der Monster-Aktrice, die jüngst den Silbernen Bären und den Oscar bekam und demnächst in The Life and Death of Peter Sellers Britt Ekland verkörpern wird.


Warum waren Sie so interessiert an der Rolle der Aileen Wuornos?

Die meisten Frauenrollen im Kino folgen dem Madonna/Hure-Schema. Männer bekommen auch Rollen, die komplex und grau sind, nicht nur schwarzweiß. Die Figur der Aileen ist so eine Ausnahme: Als ich mit der Arbeit fertig war, wußte ich noch immer nicht, was ich genau von ihr halten sollte. Diese Figuren, die sonst Robert de Niro oder Dustin Hoffman bekommen, gehören natürlich zum Attraktivsten in einer Schauspielerkarriere.

Haben Sie in der Wahl Ihrer bisherigen Rollen irgendein Konzept oder einen Karriereplan verfolgt?

Nein, das kann man gar nicht. Und es liegt auch nicht in meinem Charakter. Ich bin nicht der Typ für Fünfjahrespläne. Man muß nehmen, was kommt. Natürlich habe ich heute mehr Freiheiten. Ich brauche immer etwas, was mich zu einer Rolle hinzieht.

Ihre Figuren sind oft doppelbödig, amoralisch. Sie spielen Frauen in der Tradition klassischer Hollywood-Femmes fatales…

Das stimmt, wenn auch nicht immer. Aber meine ersten Auftritte hatte ich mit solchen Charakteren: Als Helga in 2 Days in a Valley mußte ich kämpfen und fluchen. Das war witzig. In »The Devil's Advocate« habe ich es tatsächlich mit dem Teufel zu tun, und in »Reindeer Games« führe ich Ben Affleck an der Nase herum – sehr unmoralisch. Ich finde, auch eine Frau wie Adele Invergordon in »The Legend of Bagger Vance« paßt in dieses Schema. Sie ist launisch, überdreht, eine Diva. So etwas gibt es heute gar nicht mehr, das ist eine Frau wie Marilyn Monroe, Bette Davis und Marlene Dietrich sie gespielt haben – ohne daß ich mich mit denen auf eine Stufe stellen möchte. Ich finde solche unberechenbaren Figuren viel interessanter als die konventionellen »lieben Mädchen«, die heute so viele Filme bevölkern.

Haben Sie zu Aileen Wournos persönlichen Kontakt gehabt?

Nein. Ich habe kurz darüber nachgedacht. Aber ich fand, ich hätte kein moralisches Recht, sie in der Todeszelle mit einem Filmprojekt zu belästigen. Ich denke übrigens auch nicht, daß sie sich mir ernsthaft geöffnet hätte. Nach meinem Eindruck war sie »over the top«, ein Wesen voller Überlebensinstinkt. Sie hat auf der Straße gelebt, bedenken Sie das.

Hat die Arbeit an Monster Ihre Einstellung zur Todesstrafe verändert?

Überhaupt nicht. Ich fand sie immer falsch und weiß jetzt noch besser, warum. Ich bin Realistin, verlasse mich gern auf Fakten. Und die zeigen, daß die Todesstrafe nicht effektiv ist. In Staaten, in denen es die Todesstrafe gibt, ist die Mordrate weitaus höher als in anderen. Und moralisch macht das »Auge um Auge«-Prinzip keinen Sinn. Ich habe auch keine optimale Antwort. Aber ich glaube, unsere Regierung hat sich nicht genug um alternative Lösungsmöglichkeiten gekümmert. Und mich macht es wirklich wütend, daß Politiker wie Jeb Bush einen Menschen wie Aileen nur deshalb haben hinrichten lassen, um politisch Punkte zu machen. 1970-01-01 01:00
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