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Bleiben Sie Dran!

Gunther Eschke, Rudolf Bohne: Bleiben Sie dran! Dramaturgie von TV-Serien. Konstanz 2010. UVK, 256 Seiten. 19,90 Euro.
Von Kyra Scheurer Die Wahrnehmung der Serie ist – vor allem dank wegweisender amerikanischer Produktionen wie Six Feet Under oder Dr. House – gestiegen, Beliebtheit und Status wachsen nicht nur beim Publikum, sondern auch in der Kritik und unter Filmschaffenden. Je nach Serie muß ein Autor auch hierzulande angesichts so unterschiedlicher wie gelungener Experimente wie Berlin, Berlin, Doctor's Diary, Mord mit Aussicht oder auch der Telenovela Verliebt in Berlin nicht mehr hinter vorgehaltener Hand gestehen, »nur« für das Fernsehen zu schreiben. Natürlich gehen auch viele Serienentwicklungen daneben und scheitern an Quote, fremdem Anspruch oder auch oftmals bereits dem eigenen angestrengten Bemühen. Was genau das Erfolgreiche in der Dramaturgie einer TV-Serie ausmacht, dieser Frage will das neue Buch von Gunther Eschke und Rudolf Bohne nachspüren. Handwerklich präzise erzählt und gleichzeitig innovativ, nah an Charakteren, die aber etwas Ungewöhnliches aufweisen – und alles in einer »attraktiven Welt«, die in sich schlüssig und für den Zuschauer nachvollziehbar ist – so in etwa lassen sich die Erkenntnisse zusammenfassen. Natürlich bietet das Buch mehr als diese plakativen Fakten, will vor allem das Bewußtsein für erzählerische Mittel und ihre Wirkungen schärfen. Wie interessant das Werk für den Leser ist, hängt dementsprechend stark von seinem jeweiligen Wissensstand und Wissensbedürfnis in Sachen (Serien-)Dramaturgie ab. Denn anhand bisweilen eintönig oft herangezogener Beispielserien wie Desperate Housewives, Monk und Doctor's Diary wird – ohne daß die Autoren dies verhehlen – viel »alter Wein in neuen Schläuchen« geboten, werden die dramaturgischen Ansätze von Frank Daniel, Phil Parker, Linda Seger, Roland Zag und sogar dem wenig serienaffinen Christopher Vogler referiert und auf Fallbeispiele bezogen. »Massenwirksamkeit«, »Figuren«, »Genre«, »Struktur«, »Erzählweise« sind hier die Kriterien, Redundanzen inbegriffen. Lebendiger als der umfassende Theorieteil, eine angesichts der neuesten Entwicklungen auf dem Serienmarkt fast verstaubt wirkende »Exemplarische Sequenzanalyse der Pilotfolge von Desperate Housewives« und nützlicher als der in seiner Kürze überflüssige weil durch kurze Internetrecherche ersetzbare Überblick über »Ausbildungsmöglichkeiten und Einstieg in den Beruf für Autoren, Dramaturgen und Creative Producer«, ist das lesenswerte Interview mit echten Machern, den Chefautoren von Verliebt in Berlin. 2011-01-07 09:25

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #60.

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