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Die Zukunftsruine

Daniel Kothenschulte: Die Zukunftsruine. Metropolis 2010 – Fritz Langs restaurierter Klassiker. Köln 2010. Strzelecki Books, 64 Seiten. 14,80 Euro.

Die Jagd nach dem Ursprung

Von Christian Lailach Kaum ein Film des letzten Jahrhunderts wird wohl in so vielen nicht autorisierten Versionen existieren wie Fritz Langs Metropolis. Bei kaum einem anderen Film wirst du von einem anderen reden als dein Gegenüber. Die Version mit den Texttafeln; die ohne; die mit dem Originalton über den fehlenden Bildern; die neu komponierte – oder gehören da welche zusammen? Kothenschulte kennt sie alle, hat sich zumindest mit dem Durcheinander auseinandergesetzt.

Doch schnell wird klar, worauf er hinaus will. Es ist wieder und wieder die gleiche Frage, die allein im Raum zurück bleibt. Was ist die eigentliche Faszination, der wahren, der einzigen, der ursprünglichsten aller Fassungen eines Werkes hinterherzujagen? Kothenschulte stellt diese Frage zwar nie direkt, gibt demnach auch keine klare Antwort. Doch er weckt die Auseinandersetzung mit ihr. Es ist etwas anderes, in einem alten Haus Schicht für Schicht die Tapeten abzutragen, alte Fresken unter häßlichen, manchmal auch viel kunstvolleren Bildern aufzudecken, dem Werk eine Geschichte, etwas Lebendiges zu geben. Im Fall Metropolis steht die Frage nach der Wahrheit, der Echtheit des Werkes, so wie es von Anbeginn angedacht war. Doch scheint es bei Lang keine klare Antwort zu geben. Zu welcher Version stand der Autor wirklich? Welche war »seine« Geschichte?

Was Lang und Kothenschulte dabei verbindet, ist ihre offensichtliche Herangehensweise, der Umgang mit ihren Werken. Schnell scheint da am Ende etwas fertig werden zu müssen, um trotzdem noch oder gerade immer wieder über ein paar Tische zu wandern. Der eine ändert die Zeiten, der andere tüftelt an der Struktur. Das Resultat ist ein wenig konfus zu mancher Zeit. Doch irgendwie beschleicht einen beim Lesen zeitweise das Gefühl, daß der Autor sich selbst auch sicher war, dies wäre nicht die letzte Gelegenheit, eine scheinbar »fertige« Version Metropolis zu kommentieren. Wahrscheinlich ahnt auch Kothenschulte, daß in einem Keller am anderen Ende der Welt noch eine weitere Filmrolle schlummert. Verwundern würde das mittlerweile niemanden mehr; und begeistert wären sie wieder alle. 2010-08-06 15:20

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.

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