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Filmproduzenten-Bekenntnisse

Béatrice Ottersbach, Thomas Schadt (Hg.): Filmproduzenten-Bekenntnisse. Konstanz 2010. UVK, 296 Seiten. 24,90 Euro.

Produktion ohne Zigarre

Von Kyra Scheurer Wenn nach Premieren, bei Branchenevents oder auf Preisverleihungen die Produzenten eines Films das Wort ergreifen, wird das meist nicht als spannendster Teil des Abends wahrgenommen: Man will die Schauspieler sehen, etwas über die künstlerische Vision des Regisseurs erfahren – was soll da der »Geldgeber« schon Interessantes beizusteuern haben, der wird nur die Marketingmaschine füttern wollen. Und tatsächlich vermittelt sich bei diesen offiziellen Anlässen oft wenig, wie großen Anteil der Produzent an der Vision eines fertigen Films, seinem Ursprung und seinem Werden hat. Wie kreativ, kontrovers, kollaborativ, herausfordernd, wagemutig, vielseitig und wie freudvoll das Produzieren deutscher Filme sein kann, davon berichten jetzt 21 oft völlig verschiedene Produzenten- und Produzentinnenpersönlichkeiten, zumeist in Interviewform. Ein großer Verdienst der Bekenntnisse-Reihe bei UVK ist es, die Vielseitigkeit eines Berufsbildes ganz unmittelbar erlebbar zu machen, in dem verschieden arbeitende, verschieden tickende und ganz unterschiedliche Prioritäten setzende Filmschaffende des gleichen Gewerks Einblicke in ihre Projekte, Denkweisen und ja, auch Gefühlswelten gewähren. Besonders bei den Produzenten mag da so mancher Bruch mit dem »dicke Zigarre«-Klischee überraschen. Von der Freude am Talent anderer schwärmt z.B. Jacob Claussen und berichtet über die gemeinsamen Projekte mit Hans-Christian Schmid, der wenige Seiten später zusammen mit Kreativpartnerin Britta Knöller davon erzählt, wie es ist, nach dem langen vertrauensvollen Arbeiten mit Claussen und Wöbke nun selbst Produzent zu sein. Auch die Schwierigkeiten des freien Produzierens im Arthouse-Bereich werden hier nicht ausgespart – wobei das Thema Risiko(bereitschaft) sich leitmotivisch durch die meisten Gespräche zieht und auch bei marktorientierter ausgerichteten Firmenprofilen eine tägliche Herausforderung bedeutet, wie Regina Ziegler betont. Der Stoffentwicklungsprozeß mit Drehbuchautoren, das Schnüren von »packages« verschiedener Talente und nicht zuletzt die Finanzierung mit Sendern und Förderern sind für alle gleichermaßen relevant, die Vielfalt liegt in den Blicken darauf und den gewählten Herangehensweisen. Ob Bettina Brokemper oder Gerd Haag, Gloria Burkert oder Nico Hofmann: Es wird spannend und leidenschaftlich »bekannt«, Begriffe wie »Demut«, »Fantasie« und »Glück« tauchen ebenso auf wie das ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) des produzentischen Arbeitsalltags. Schade, daß mit diesem Band die Bekenntnisse-Reihe ein Ende findet… 2010-08-27 12:03

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.

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